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Golfkrieg Hunderte Ziele im Visier / Pentagon: "Dies ist A-Day"

21.03.2003 ·  Die amerikanische Luftwaffe hat mit der erwarteten heftigen Offensive gegen Irak begonnen. In Bagdad gingen zahlreiche Gebäude in Flammen auf. Im Pentagon hieß es laut CNN: "Dies ist A-Day" - "A" wie "Aerial Bombardement", Luftangriffe. Im Laufe der Nacht sollten hunderte Ziele angegriffen werden.

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Am Abend des zweiten Kriegstages haben die von Amerika geführten Truppen mit dem erwarteten Großangriff auf Irak begonnen. In den folgenden Stunden würden mehrere hundert militärische Ziele angegriffen, sagte der amerikanische Generalstabschef Richard Myers Myers in Washington. Dutzende Explosionen erschütterten Bagdad. Feuerbälle und dichte Rauchwolken standen über dem Palast der Republik am Ufer des Tigris. Die meisten Gebäude im Umfeld des Komplexes brannten ebenfalls.

Das Pentagon hatte eine Aktion „Angst und Schrecken“ mit massivsten Luftschlägen angekündigt. Bis zum Abend habe die US-Luftwaffe 1000 Einsätze geflogen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte nach Beginn der Offensive, das Regime des irakischen Präsidenten Saddam Hussein „beginnt die Kontrolle über das Land zu verlieren“.

B-52-Bomber eingesetzt

In Bagdad heulten gegen 19 Uhr MEZ wieder die Sirenen, kurz darauf waren heftige Detonationen zu hören. Auch westlich der irakischen Hauptstadt waren am Abend starke Explosionen zu hören. Kurz zuvor hatte die irakische Luftabwehr in Bagdad das Feuer eröffnet.

"Dies ist A-Day“ zitierte ein CNN-Reporter einen Pentagon-Vertreter. Damit waren die seit Kriegsbeginn erwarteten massiven Luftangriffe gemeint, mit der die US-Militärs eine „shock and awe"-Strategie (Schock und Einschüchterung) verfolgen.

„Bagdad brennt“

Die zweite Angriffswelle auf Bagdad kam zwei Stunden später, 23 Uhr Ortszeit. Die Amerikaner setzten B-52-Bomber ein. Nach Augenzeugenberichten wurde der Regierungssitz von Saddam Hussein am Westufer des Tigris bei beiden Angriffswellen getroffen. Berichten des arabischen Senders El Dschasira zufolge fielen auch Bomben auf das Planungsministerium. „Bagdad brennt“, sagte der Korrespondent.

Im Süden Bagdads schoss ein Feuerball in den schwarzen Himmel. Am Stadtrand befinden sich eine Ölraffinerie und Militäreinrichtungen. Die nordirakischen Städte Mossul und Kirkuk wurden ebenfalls aus der Luft angegriffen, wie aus der kurdischen Regionalverwaltung verlautete.

320 Raketen auf Bagdad

Nach eigenen Angaben haben die Streitkräfte 320 Raketen auf Bagdad und Umgebung abgefeuert. Das sagte ein amerikanischer Marinekommandeur an Bord des Flugzeugträgers Kitty Hawk, der im Persischen Golf kreuzt.

Der irakische Machthaber Saddam Hussein hat wieder Kriegsrat mit seinen engsten Mitarbeitern und Befehlshabern gehalten. Das irakische Fernsehen zeigte Freitagabend, wie er und sein jüngerer Sohn Kusai mit anderen Uniformierten in einem offenkundig kleinen Raum zusammensaß. Kusai war dabei als Einziger in Zivil gekleidet. Die Bilder wurden von CNN übernommen und verbreitet. Unklar blieb, wann sie tatsächlich aufgenommen wurden.

Die irakische Regierung hat die vier CNN-Korrespondenten ausgewiesen. Die Behörden hätten die Journalisten aufgefordert, das Land sofort zu verlassen. Die Fernsehübertragung aus Bagdad sei weiter gesichert, sagte eine Sprecherin.

Türken machen Luftraum frei

Die türkische Regierung hat den Vereinigten Staaten am Freitag doch noch die Überflugrechte für ihre Angriffe gegen Irak gewährt, wie die türkischen Streitkräfte am Abend mitteilten. Vorausgegangen waren Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Ankara über die militärische Rolle der Türkei in Nordirak.

Hafenstadt eingenommen

Die amerikanisch-britische Invasionsarmee hat am zweiten Kriegstag strategisch wichtige Stellungen im Süden und Westen Iraks besetzt. Unter teilweise heftigen Kämpfen nahmen amerikanische Marine-Infanteristen den Hafen von Umm Kasr ein, wie aus Kreisen der Streitkräfte in Kuwait verlautete. Mehrere hundert irakische Soldaten sollen gefangen genommen worden sein.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsminister Geoff Hoon wurde die Halbinsel Faw im Südosten Iraks besetzt. Der größte Teil der Ölanlagen sei intakt gesichert worden. Dennoch brannten im Süden Iraks etwa 7 Ölfelder, wie der britische Generalstabschef Michael Boyce am Abend sagte.

Die britischen Truppen wollten anschließend zu der zweitgrößten Stadt des Landes Basra vorstoßen, wo die großen Ölfelder im Süden des Landes liegen. Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die Amerikaner hätten möglicherweise die riesigen Ölfelder bei Kirkuk im Norden gesichert. Offiziell bestätigt wurde dies zunächst nicht. Der Schutz der Ölfelder gilt als eines der wichtigsten Ziele der Militärstrategen. Im Golfkrieg 1991 hatte Irak die Ölfelder Kuweits in Brand gesteckt und damit die Ölförderung des Landes stark beeinträchtigt.

Ölpreis fällt, Aktienkurse steigen

Irak verfügt über die zweitgrößten bekannten Ölreserven der Welt. Hoffnungen auf ein rasches Ende des Krieges ließen den Ölpreis fallen. Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der Nordseesorte Brent für die Lieferung in Mai sank vorübergehend um 70 Cent auf 24,80 Dollar. Händler sagten, das Besetzen der Ölanlagen hätten den Markt beruhigt. An den Aktienmärkten legten die Kurse als Reaktion auf den Vormarsch der Truppen in Irak deutlich zu, während die Kurse der als sichere Anlage in Krisenzeiten geltenden Staatsanleihen nachgaben.

Im Westen des Landes nahmen amerikanische Truppen nach Informationen aus dem Pentagon zwei Flugplätze ein. Die Landepisten mit den Bezeichnungen H-2 und H-3 seien ohne größeren Widerstand besetzt worden, sagte ein Beamter des Verteidigungsministeriums in Washington. Auf dem Flugplatz H3, rund 300 Kilometer westlich von Bagdad, habe sich eine der wichtigsten Radarstellungen der irakischen Flugabwehr befunden.

„Die Iraker wehren sich

Vor allem die britischen Truppen waren auf ihrem Vormarsch im Südosten des Irak am Freitag auf erheblichen Widerstand gestoßen. Verteidigungsminister Hoon sagte, der Sieg stelle sich keineswegs von selbst ein. „Die Iraker wehren sich.“

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