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Golfkrieg 1. Tag: Angriff auf den Irak

20.03.2003 ·  Mit dem vermutlich fehlgeschlagenen Versuch, Saddam Hussein mit einem gezielten Angriff auf Bagdad zu töten, hat in der Nacht zum Donnerstag der Krieg im Irak begonnen.

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20. März. Mit dem vermutlich fehlgeschlagenen Versuch, Saddam Hussein mit einem gezielten Angriff auf Bagdad zu töten, hat in der Nacht zum Donnerstag der Krieg im Irak begonnen. Am Donnerstag abend bereiteten amerikanische Truppen eine Bodenoffensive vom Norden Kuweits in den Irak vor. Aus dem Grenzgebiet wurden schwere Artillerieangriffe gemeldet. Wenig später wurde in Bagdad wieder Luftalarm ausgelöst, Marschflugkörper schlugen in der Stadt ein. Der arabischsprachige qatarische Fernsehsender Al Dschazira berichtete von dicken Rauchwolken, die offenbar von brennenden Ölfeldern in der Gegend von Basra im Südirak aufstiegen.

Beim ersten Angriff in der Nacht war ein Gebäude im Süden Bagdads mit Marschflugkörpern und bunkerbrechenden Bomben getroffen worden, das nach irakischen Angaben leerstand. Das Rote Kreuz berichtete, bei dem Bombardement sei ein Mensch getötet, weitere 14 Zivilisten seien verwundet worden. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Nachmittag in Washington, der Angriff in der Nacht habe einem Gebäude der irakischen Führung gegolten, und kündigte weitere solche Angriffe an. Die Auswertung des möglichen Erfolges des ersten Angriffes dauere an. An die irakische Bevölkerung gerichtetet sagte der Verteidigungsminister, die "Tage des Regimes sind gezählt". Angehörige der irakischen Streitkräfte rief er auf, nicht "für ein dem Untergang geweihtes Regime" zu kämpfen und Befehle zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu verweigern. Die Zivilbevölkerung solle möglichst zu Hause bleiben, nicht zur Arbeit zu gehen und sich an die Anweisungen halten, die über die von den amerikanischen Streitkräften und ihren Verbündeten kontrollierten Radiosender verbreitet würden. Wie zuvor schon Präsident Bush forderte Rumsfeld Mitglieder der politischen und militärischen Führung des Iraks auf, dem Diktator die Gefolgschaft zu verweigern und an die Zukunft ihres Landes sowie an ihre eigene Zukunft zu denken.

Die Authentizität einer mehrfach vom irakischen Fernsehen sowie von internationalen Fernsehstationen ausgestrahlten Aufzeichnung einer Ansprache von Saddam Hussein, in welcher er die Bevölkerung zum Widerstand aufrief, wurde in Washington zunächst bezweifelt. Der Umstand, daß in der Ansprache der Zeitpunkt der ersten Angriffe um kurz nach halb sechs Uhr morgens Ortszeit erwähnt wird, wurde jedoch weithin als Beweis für die Echtheit der Fernsehaufnahmen von Saddam Hussein gewertet. Die irakischen Behörden wiesen Gerüchte zurück, wonach bei den ersten Angriffen Mitglieder der politischen und militärischen Führung getroffen worden seien. Am Donnerstag abend zeigte das irakische Fernsehen Bilder eines Treffens von Saddam Hussein mit seinem Kriegskabinett.

Präsident George W. Bush hatte in einer kurzen Fernsehansprache in der Nacht zum Donnerstag den Beginn der "Angriffe auf ausgesuchte Ziele" verkündet. Sie seien darauf ausgerichtet, die "Fähigkeit Saddam Husseins zu untergraben, einen Krieg zu führen". Diese Schläge eröffneten "einen breitangelegten und koordinierten Angriff", der vom amerikanischen Verteidigungsministerium als "Operation Irakische Freiheit" betitelt wurde. Er werde "keinen anderen Ausgang des Krieges als einen Sieg akzeptieren", versicherte der Präsident. Bush warf Saddam Hussein vor, keine Achtung vor den einschlägigen Konventionen der Kriegsführung und den Gesetzen der Moral zu haben. So würden Truppen und Ausrüstung in Wohnvierteln untergebracht und somit unschuldige Männer, Frauen und Kinder als Schutzschilde mißbraucht. Bush warnte, der Krieg zur Befreiung des Iraks könne länger dauern und schwieriger werden als von manchen vorausgesagt. "Wir kommen voller Respekt vor den Bürgern dieses Landes in den Irak, mit Respekt für deren große Zivilisation und deren religiöse Überzeugung", sagte Bush. "Wir haben keine Ansprüche im Irak, außer jenem, eine Gefahr zu beseitigen und das Land wieder der Kontrolle seiner Bürger zu übergeben." Eröffnet wurden die Angriffe vom Donnerstag kurz nach halb sechs Uhr früh Ortszeit (3.33 Uhr MEZ). Anderthalb Stunden zuvor war das von Präsident Bush an Saddam Hussein und dessen Söhne gestellte Ultimatum zum Verlassen des Landes abgelaufen. (Fortsetzung Seite 2.)

Auch an der Demarkationslinie zu den kurdisch dominierten Gebieten im Norden des Iraks kam es zu einzelnem Granatbeschuß und zu Feuergefechten. Kurdenführer Dschalal Talabani äußerte sich am Donnerstag in Ankara erfreut über den Beginn der Militäraktion gegen das irakische Regime. "Die amerikanische Militäraktion gegen den Irak ist das Vorspiel für die Transformation der irakischen Gesellschaft in eine Demokratie", sagte Talabani. UN- Generalsekretär Kofi Annan äußerte in einer Ansprache in New York sein Bedauern über den Beginn des Krieges und seine Sorge über das Los der irakischen Zivilbevölkerung. Er forderte die Kriegsparteien dazu auf, "die Maßgaben des internationalen humanitären Rechts peinlichst einhalten" und "alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Zivilbevölkerung vor den furchtbaren Konsequenzen des Kriegs zu bewahren".

Quelle: rüb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2003, Nr. 68 / Seite 1
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