18.08.2005 · oll. Kein europäisches Land wird seine Wissenschaftstradition so verleugnen wie Deutschland. Im vorauseilenden Gehorsam eines vermeintlichen internationalen Wissenschaftsraums müssen nun selbst die Anträge auf sogenannte Exzellenzcluster ...
oll. Kein europäisches Land wird seine Wissenschaftstradition so verleugnen wie Deutschland. Im vorauseilenden Gehorsam eines vermeintlichen internationalen Wissenschaftsraums müssen nun selbst die Anträge auf sogenannte Exzellenzcluster bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft in englischer Sprache eingereicht werden. Bei der Leistungsbewertung deutscher Professoren zählen inzwischen nur noch Aufsätze, die in internationalen Zeitschriften und in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Das benachteiligt all die Disziplinen von vornherein, die ihres Gegenstandes wegen beim Deutschen bleiben müssen. Oder soll ein Philosoph einen Hegel-Text nun in Übersetzung und dazu noch auf englisch interpretieren? Niemand wird ernsthafte Einwände gegen englische Zusammenfassungen oder Kurzfassungen vorbringen können. Jeder weiß aber auch, daß Forschung, Entwicklung und Kreativität die Differenzierungen der eigenen Muttersprache brauchen. Wie eine Nation auf Ausländer wirken muß, die nicht einmal zu ihrer eigenen Sprache und Kultur steht, wird sich bald zeigen. Durch Anbiederung und Vereinheitlichung um jeden Preis hat noch kein Land seine Unverwechselbarkeit gestärkt.