oll. Die Unterrichtsgarantie in Hessen fordert einen weiteren Tribut. Ausgerechnet jetzt, da sich auch in Hessen immer mehr Gymnasiasten für Latein entscheiden, fehlen die Lehrer. Das gilt auch für andere westliche Bundesländer. Doch das vom Wiesbadener Kultusministerium ausgeschriebene Verfahren, mit dem sich Lehrer über eine zweijährige Fortbildung ohne Fachstudium sogar für den Unterricht in Abiturklassen qualifizieren können, übertrifft andere Weiterbildungsmodelle an Verantwortungslosigkeit. Wie soll denn ein nebenbei geleisteter Kurs mit wenigen Präsenzveranstaltungen, elektronischem Lernen und regionalen Gruppen ein mindestens vierjähriges Fachstudium an der Universität ausgleichen? Warum sollte ein möglicherweise jahrelang zurückliegendes Latinum als Voraussetzung reichen? Das Kultusministerium wäre klug beraten gewesen, die Mitarbeit des Instituts für Klassische Philologie in Frankfurt zu suchen, anstatt die eigenen Fachwissenschaftler vor vollendete Tatsachen zu stellen. Außerdem muss die Lehrerlaubnis auf die Sekundarstufe I beschränkt und zeitlich begrenzt erteilt werden. Andernfalls müssen sich die Fachstudenten in Latein geradezu verhöhnt fühlen.