V.Z. Das ist dann wahrscheinlich auch Präzisionsjournalismus, wenn Meinungssammler schon jetzt feststellen, daß SPD und Grüne keine Chance mehr hätten, die nächste Bundesregierung zu stellen. Denn dergleichen läßt sich nicht vorhersagen. Wer hier begriffsstutzt, möge an den März letzten Jahres zurückdenken, an Madrid. Sowieso gibt es noch weitere Unwägbarkeiten: eine ist das Abschneiden der Linkspartei. Selbst wenn man darauf vertraut, daß die Umfrageinstitute sie ebenso eklatant überschätzen wie vor drei Jahren zur selben Zeit im Bundestagswahlkampf die FDP, könnte das Gesamtergebnis einer gefledderten SPD, intakter Grüner und der neuen PDS-Formation für eine Koalition oder ein - wahrscheinlicheres - Tolerierungsmodell reichen. Auch wenn das Stimmungsspektrometer in Berlin derzeit Schwarz-Gelb zeigt, sagt das noch wenig. Deshalb wäre es richtig, wenn FDP und Union, die auf Koalitionsaussage und Zweitstimmenwahlkampf setzen, den Wahlkampf gegeneinander zumindest entschärften. In der FDP geht die Sorge um. Die auch denkbare Möglichkeit einer großen Koalition schließt man dort so kategorisch aus, als könnte man selbst darüber bestimmen.