Nm. Eine der Rosen, die der frisch gewählte Präsident Mitterrand am Tag seiner Amtseinführung 1981 im Pantheon, dem Ehrentempel großer Franzosen, niederlegte, war Victor Schoelcher gewidmet, jenem Politiker, dem zu verdanken ist, daß 1848 die Sklaverei in den französischen Kolonien abgeschafft wurde. Vor vier Jahren hat der Senat den Sklavenhandel als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt; jetzt hat Präsident Chirac einen offiziellen Gedenktag für die Opfer der Sklaverei angekündigt. Wer fragt, wie solch nachholende Erinnerung, ausgerechnet jetzt wieder, zu erklären ist, der dürfte zwei aus der Aktualität geborene Antworten bekommen: Da gibt es die Reaktion auf die "Unruhen" in den "banlieues", an denen hauptsächlich die farbigen und zugewanderten "Töchter und Söhne der Republik" (Chirac) beteiligt waren. Die schroffen Töne des Innenministers Sarkozy ("Gesindel") werden jetzt symbolisch gemildert, indem diese Nachgeborenen nicht nur als Täter auftauchen, sondern auch Opfer sind. Die zweite Antwort betrifft das Gesetz, mit dem Frankreich sich koloniale Wohltaten bescheinigte: Es ist jetzt nicht nur politisch, sondern auch geschichtsphilosophisch beerdigt worden.