mk. Am Sonntag fliegt Klaus Wowereit für eine Woche in die Partnerstadt Windhuk. Die Luftveränderung wird ihm guttun. Daß er klüger zurückkehren wird, ist trotz der unfehlbar bildenden Effekte langer Dienstreisen nicht zu erwarten. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Lindner, ein großzügiger Mann, hat erklärt, zu Berlin passe wohl ein bunter Vogel besser als ein Aktenfresser. Ganz egal wo - es wäre wichtig, daß Wowereit ein paar Tugenden erwirbt, die das politische Alltagsgeschäft erleichtern: werbendes Reden und ein für Parteifreunde und andere Menschen erträgliches Benehmen. Man muß dazu nicht das respektheischende Alter von Parlamentspräsident Momper (seit 1975 in der Landespolitik und beim Ermitteln von Mehrheiten immer noch schwach) erreichen. Drei Stimmen Mehrheit für Rot-Rot sind nicht viel, aber genug, um in Sachfragen die Reihen geschlossen zu halten; mit den Grünen oder gar der Berliner CDU wären verläßliche Mehrheiten noch schwerer herzustellen. In einer Hinsicht muß man den "Heckenschützen" dankbar sein: Sie haben Wowereit gezeigt, daß es auch in der Politik Grenzwerte für das Einhalten von Umgangsformen gibt.