Mü. Deutsche Minderheit in Polen - welcher Politiker hat von ihr Genaueres gehört? Breslau und Oppeln liegen außerhalb des Horizonts der deutschen Menschenrechtspolitik. Sie kümmert sich nicht um die Landsleute, die am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht erschlagen oder vertrieben wurden, sondern in ihrer Heimat geblieben waren. Ihre Hoffnungen (und die mancher Polen) auf einen gerechten Ausgleich waren nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft wiederaufgekeimt. Im Zuge der Statusklärung der jahrhundertelang deutschen Ostgebiete vor 15 Jahren vereinbarten Deutschland und Polen einen Minderheitenschutz, wie er unter europäischen Nachbarn selbstverständlich sein sollte. Schon die Möglichkeit zweisprachiger Ortsschilder, vorsichtig im gemeinsamen Brief zum Nachbarschaftsvertrag angedeutet, erwies sich als Utopie. Das gilt hoffentlich nicht auch für die Erwartung, mit dem Beitritt Polens zur EU werde sich die rechtliche Lage der Deutschen, die heute als Minderheit in ihrer Heimat leben, dauerhaft verbessern. Der Gedanke, ihre Rechte zu beschneiden, hätte dem polnischen Ministerpräsidenten gar nicht erst kommen dürfen.