bko. Auch altgediente Führungskräfte sind für unerwartete Wendungen gut. Petra Roth, der wiedergewählten Frankfurter Oberbürgermeisterin, gelang es jetzt sogar, Feind wie Freund zu überraschen. Mit sechzig Prozent ist sie im Amt bestätigt worden, aber nur bei einer Wahlbeteiligung von knapp 34 Prozent. Das nahm die CDU-Politikerin zum Anlass, mit der bisherigen Linie ihrer Partei zu brechen und ein kommunales Wahlrecht für alle Ausländer zu fordern. Zwar ist nicht bekannt, dass die Bürger aus anderen EU-Ländern, die schon deutsche Bürgermeister und Stadträte wählen dürfen, reger von diesem Recht Gebrauch machten als ihre deutschen Nachbarn. Frau Roth aber will gegen geltendes Verfassungsrecht den Kreis der Wahlberechtigten auch noch auf jene Ausländer aus außereuropäischen Kulturkreisen ausweiten, deren Zugehörigkeitsgefühl zum hiesigen Gemeinwesen und deren Mitbestimmungsbedürfnis sich jedenfalls noch nicht in einem Antrag auf Einbürgerung Bahn gebrochen haben. Die Folgen, die der Roth-Plan für eine Stadt wie Frankfurt hätte, sind absehbar: Die Grünen, mit denen Frau Roth koaliert, können das Glück, das sie ihnen beschert, kaum fassen. Viele CDU-Anhänger auch nicht.