Home
http://www.faz.net/-gpf-vvzv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Glosse Politik Kanonenfutter

 ·  Dass es für das türkische Militär und auch für die Politiker kein schöner Anblick war, als die kurdische PKK acht wehrpflichtige Soldaten, die sie zuvor gefangen genommen hatte, mit Handschlag wieder freiließ, kann man verstehen.

Artikel Lesermeinungen (0)

Dass es für das türkische Militär und auch für die Politiker kein schöner Anblick war, als die kurdische PKK acht wehrpflichtige Soldaten, die sie zuvor gefangen genommen hatte, mit Handschlag wieder freiließ, kann man verstehen. Doch muss man die Soldaten deshalb gleich "wegen Befehlsverweigerung" vor ein Kriegsgericht stellen? Sogar der Justizminister Mehmet Ali Sahin, ein westlich denkender, moderater Mann, ließ erkennen, dass ihm das "Märtyrertum" der acht Soldaten möglicherweise lieber gewesen wäre. Stattdessen hatten sie sich, nachdem sie ihre Munition verschossen hatten und zwölf ihrer Kameraden schon getötet worden waren, ergeben. Entsatz war nicht unterwegs. So sagen sie jedenfalls. Nun soll die Sache geklärt werden. Der sogenannte Heldentod in aussichtsloser Lage, den man verklärt und oft genug politisch missbraucht hat, ist mittlerweile in allen westlichen Gesellschaften eine Sache, die als höchst problematisch angesehen wird. Niemand sieht dort mehr Soldaten als Kanonenfutter. Sollte das in der Türkei mit ihrem oft überbordenden Nationalismus noch anders sein? wgl.

Quelle: F.A.Z., 14.11.2007, Nr. 265 / Seite 12
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Schon gar nicht dem Chef

Von Berthold Kohler

Alles und nichts zu wissen war immer eine Spezialität der CSU. Der SPD ist es selten gelungen, ihr daraus einen Strick zu drehen. Mehr 5 13