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Glosse Politik Geschichtslos

14.08.2005 ·  oll. Die flammende Erklärung der Erziehungswissenschaftler gegen die Ökonomisierung des Bildungssystems kommt spät, aber nicht zu spät. Sie zeigt, daß Hochschullehrer sich nicht unbegrenzt entmündigen und von wechselnden Reformmoden in Dienst nehmen lassen.

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oll. Die flammende Erklärung der Erziehungswissenschaftler gegen die Ökonomisierung des Bildungssystems kommt spät, aber nicht zu spät. Sie zeigt, daß Hochschullehrer sich nicht unbegrenzt entmündigen und von wechselnden Reformmoden in Dienst nehmen lassen. Sie erinnern zu Recht daran, daß die meisten der "neuen" Reformvorschläge Modelle aus den siebziger Jahren wiederbelebten, die schlechten Erfahrungen damit jedoch ignorierten. Denn die Geschichte spielt bei der Erneuerung des Bildungssystems keine Rolle. Die Geschichtslosigkeit ist selbst ein Krisenphänomen der gegenwärtigen Umwälzungen. Ausgestattet mit einem ausgeprägten historischen Bewußtsein, hätten es vielleicht mehr Hochschullehrer gewagt, an die Verantwortung der Schulen und Hochschulen für die Entwicklung selbständig denkender und urteilender Menschen zu erinnern. Denn sie müßten durch das hörige Mitläufertum vieler ihrer Amtsvorgänger im vergangenen Jahrhundert gewarnt sein. Heutzutage riskiert kein Professor seine Existenz, wenn er Kritik nicht nur äußert, sondern sich dem kurzatmigen, ministeriell verordneten Reformaktivismus widersetzt. Dazu ist es noch nicht zu spät.

Quelle: F.A.Z., 15.08.2005, Nr. 188 / Seite 8
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