Nm. Die neuen Aufnahmen aus dem Gefängnis von Abu Ghraib, in dem irakische Häftlinge von amerikanischem Personal moralisch gedemütigt, körperlich verletzt und wahrscheinlich auch gefoltert wurden, geben Vorgänge aus dem Jahr 2003 wieder: Man kann sich jetzt genauer und - im schlimmsten Wortsinn - bildlicher vorstellen, welche Zustände dort herrschten. Lange schon ist auch bekannt, unter welchen Umständen die Insassen des Lagers von Guantanamo Bay festgehalten werden. Der Unterschied zwischen beiden Fällen liegt zutage: Im Irak geht es, wohlwollend betrachtet, um Ausschreitungen, für die die politische Führung nichts kann und von denen die höchsten militärischen Führer nichts wußten. Guantanamo dagegen wurde aus politischen Gründen als Raum stark verdünnter Rechtsstaatlichkeit erst geschaffen. Die Forderung, dieses Lager zu schließen, ist eine Prinzipienfrage, für die es keiner Inspektion an Ort und Stelle bedarf. Beide Fälle haben jedoch eine dramatische Gemeinsamkeit: Nachhaltig verzerren und verdunkeln sie das Bild Amerikas in der islamischen Welt und konterkarieren damit Washingtons Bemühen, gerade dort den Rechtsstaat und die Demokratie voranzubringen.