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Glosse Politik Der kühle Krieg

08.06.2007 ·  G.H. Der Kalte Krieg ist vorbei, nun wird der kühle Krieg eröffnet. Die Vorstellung, nach dem Zerfall ihres Herrschaftsinstruments mit dem Allerweltsnamen Sowjetunion - "Union der Räte" - würden die Russen sich der Supermacht Amerika zu-, bei- oder unterordnen, war immer ein Tagtraum.

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G.H. Der Kalte Krieg ist vorbei, nun wird der kühle Krieg eröffnet. Die Vorstellung, nach dem Zerfall ihres Herrschaftsinstruments mit dem Allerweltsnamen Sowjetunion - "Union der Räte" - würden die Russen sich der Supermacht Amerika zu-, bei- oder unterordnen, war immer ein Tagtraum. Mag auch der erste Präsident Jelzin an die gutmütigeren unter den russischen Zaren erinnert haben, so hat Putin stets erkennen lassen, dass er Peter den Großen zu seinen Vorbildern zählt. Russland wird sich immer als die Großmacht des eurasischen Doppelerdteils sehen und sein Vorfeld diesem Selbstbildnis unterordnen wollen. Da kommt es nur noch erschwerend hinzu, dass Putin an seinem Vermächtnis arbeitet - und wahrscheinlich ahnt, wie ungewiss sein Nachruhm ist. Nun musste er der Welt zeigen, dass er den Amerikanern zwar nicht an wirtschaftlicher Leistung, aber an geopolitischer Raffinesse überlegen ist. Seinen Einlassungen zu Bushs Raketenabwehrplänen fehlte der internationalistische Oberton des Kalten Krieges, dafür war der nationalistische Unterton umso deutlicher. Der neue Machtkampf der Großmächte wird mit kühlem Verstand ausgetragen.

Bush glaubte Putin rhetorisch ausgetrickst zu haben, als er seinen Scheinfreund - "ich nenne ihn Wladimir" - zur Mitwirkung am Raketenabwehrsystem aufforderte. Wäre Putin darauf eingegangen, säßen seine Raktenspezialisten bald auf EU-Gebiet, in Polen und in der Tschechischen Republik. Auch das wäre den beteiligten Bevölkerungen merkwürdig vorgekommen. Doch der russische Präsident überbot den amerikanischen beim Spielen über die Bande: Gelingt es ihm, die Amerikaner nach Aserbaidschan zu locken, dann hat er dem Tschechen Topolanek vorgeführt, dass eine von Moskau nicht genehmigte tschechisch-amerikanische Absprache eine kurze Halbwertszeit hat. Das würden sich auch Polen und Slowaken, Esten, Letten, Litauer und Ungarn merken. All deren Anstrengungen spätestens seit Mitte der achtziger Jahre waren darauf gerichtet, dem Einfluss Moskaus zu entkommen - was ihnen mit dem Beitritt zur Nato und zur EU auch gelungen ist. Diese Absicherung erlaubte es ihnen, in der Energieversorgung abhängig von Russland zu bleiben. Vermag nun aber Russland sogar in Fragen der militärischen Sicherheit einzugreifen, dann fürchten die Mitteleuropäer nicht nur, dass sie mit Amerika nur noch als Bittsteller verhandeln können. Sie fürchten noch mehr, dass der Kreml sie wieder zu bevormunden sucht.

Quelle: F.A.Z., 09.06.2007, Nr. 131 / Seite 10
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Von Timo Frasch

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