Nach Stippvisiten in Algier und Tunis im Juli stattet der französische Präsident Sarkozy nun Marokko seinen ersten Staatsbesuch ab. Die besondere Aufmerksamkeit für die Maghreb-Staaten hat viele Gründe: Da gibt es Verbindungen, die noch auf koloniale Zeiten zurückgehen; das Gros der traditionellen Einwanderung aus Afrika nach Frankreich kommt dorther; die wirtschaftlichen Beziehungen sind eng. Der Maghreb wäre der Kern jener an Europa angedockten Mittelmeerunion, die Sarkozy unermüdlich propagiert - nicht zuletzt als Gegengewicht zu der aus Pariser Sicht nach Osten verrückten EU. Da gibt es jedoch wenigstens zwei Probleme: Die Konturen von Sarkozys Projekt sind unklar, in Brüssel will sich für diese Schimäre niemand recht begeistern. Außerdem sind sich die Maghreb-Staaten untereinander nicht grün. Algerien und Marokko etwa liegen sich seit ewigen Zeiten wegen der Westsahara in den Haaren. So ist die Mittelmeerunion zwar das politische Aushängeschild dieses Staatsbesuchs, aber im Kern geht es vor allem um eines: um das Geschäft französischer Unternehmen. Nm.