28.11.2005 · V.Z. Der Streik der Ärzte an der Charite wird wohl nur der Beginn umfassenderer Auseinandersetzungen zwischen Ärzten und (zumeist öffentlichen) Klinikbetreibern sein. Bundesgesundheitsministerin Schmidt wendet nun das Sankt-Florians-Prinzip ...
V.Z. Der Streik der Ärzte an der Charite wird wohl nur der Beginn umfassenderer Auseinandersetzungen zwischen Ärzten und (zumeist öffentlichen) Klinikbetreibern sein. Bundesgesundheitsministerin Schmidt wendet nun das Sankt-Florians-Prinzip an, wenn sie behauptet, hier gehe es nur um einen Tarifkonflikt, der mit Politik und mit dem Politik nichts zu tun habe. Hat nicht eben erst der Bundesrat entschieden, sich über die europäische Rechtsprechung glatt hinwegzusetzen und die ärztlichen Bereitschaftsdienste einstweilen weiter nicht als Arbeit zu behandeln? Zwischen dieser Entscheidung und den Forderungen der Krankenhausärzte besteht ein unmittelbarer Zusammenhang; den Ärzten drohen durch neue Arbeitszeitregelungen weitere erhebliche Einkommensverluste. Es ist Verantwortungsverweigerung, wenn die Politik sich hier als Zaungast darstellt. Sie bestimmt die Rahmenbedingungen (und viele Einzelheiten) des Gesundheitswesens und gibt damit die verbindliche Antwort auf die Frage nach dem Wert, auch dem Geldwert, der ärztlichen Tätigkeit. Der Arztberuf ist groß, er fordert den Einsatz des ganzen Menschen. Das berechtigt aber die Gesellschaft nicht, ihn zum Opfergang auszugestalten.