job. Mit der Wahl des Parlaments senkt sich der Vorhang für das in Bonn konzipierte Drama "Nation-Building in Afghanistan". Formal betrachtet, ist die "Islamische Republik" nun eine Demokratie mit einer rechtsstaatlichen Verfassung sowie frei gewählten Regierungs- und Kontrollorganen. Daß die Wahl von ihren Gegnern nicht verhindert, ja nicht einmal nennenswert gestört werden konnte, mögen viele als Zeichen dafür nehmen, daß die Kräfte des Neuen die Oberhand gewonnen haben. Der Hinweis darauf, daß 130 000 Soldaten - ein Viertel von ihnen Angehörige ausländischer Truppenverbände - zum Schutz der Wähler gebraucht wurden, gehört aber ebenso zur afghanischen Wahrheit. Der gewaltsame Widerstand gegen die Neuausrichtung des Landes ist in den vergangenen Monaten eher gewachsen als zurückgegangen und wird noch lange Zeit westlichen Beistand erzwingen. Wenn das Experiment der internationalen Gemeinschaft gelingen und ein demokratisches Afghanistan keine institutionelle Hülle bleiben soll, müßten die Afghanen in absehbarer Zeit die Erfahrung machen, daß ihr neuer Staat von ihnen selber und nicht von außen zusammengehalten wird.