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Glossar Die Schlagwörter der Debatte

19.07.2001 ·  Globalisierung, Global Gouvernance, WTO - die Schlagwörter der Debatte im FAZ.NET-Glossar.

Von Lothar Brock
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Globalisierung, Global Gouvernance, WTO - nicht nur die Welt verändert sich rapide, sondern auch der Sprachgebrauch. FAZ.NET klärt die Schlagwörter der Debatte in einem Glossar.

Globalisierung

Selbst die Definition von Globalisierung ist umstritten. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff beschleunigte Verflechtungsprozesse in der Weltwirtschaft, die sich auf zahlreiche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auswirken. Wissenschaftler streiten sowohl über das tatsächliche Ausmaß der Globalisierung als auch über die Auswirkungen in verschiedenen Bereichen: Politik, Krieg und Frieden, Produktion und Technologie, Handel, Finanzmärkte, Migration, Umwelt und Kultur. Der britische Politikwissenschaftler David Held bietet eine mögliche Definition: Globalisierung sei „eine Kraft, welche die raschen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Änderungen, die moderne Gesellschaften und die Weltordnung umwandeln, vorantreibt.“

Global Cities

Der Global City-Begriff stammt aus der Stadtsoziologie und Stadtgeographie und ist vor allem durch die Arbeit der Soziologin Saskia Sassen geprägt worden. Global cities oder Weltstädte sind Metropolen, die sich innerhalb einer neuen internationalen Arbeitsteilung als Zentren für Finanzmärkte und andere Dienstleistungen etabliert haben. Diese Weltstädte bilden ein globales Netz von Knotenpunkten in der Weltwirtschaft. In der ersten Reihe der Weltstädte befinden sich New York, London und Tokyo; Frankfurt am Main gehört zur zweiten Reihe.

Global Governance

Der Global Governance-Begriff ist in die politikwissenschaftliche Diskussion eingeführt worden. Er soll auf die Frage des Umgangs mit globalen Problemen in einer Welt ohne Weltstaat und ohne Weltregierung aufmerksam machen. Damit gemeint sind mögliche Ordnungsstrukturen, welche die Zusammenarbeit von Staaten, zwischenstaatlichen Organisationen und anderen nichtstaatlichen Akteuren voraussetzen. Einige Kritiker sind der Meinung, dieser Begriff missachte die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse in einer sich globalisierenden Welt.

Global Players

Global player ist kein festgelegter Begriff. Normalerweise bezeichnet er alle global, das heißt außerhalb der Grenzen ihres Heimatstaates tätigen, Wirtschaftsakteure, vor allem multinationale Unternehmen (MNU, manchmal multinationale Konzerne, MNK genannt) und Großbanken.

Globalisierungsgegner

Ein Sammelbegriff, der häufig die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an verschiedenen Protesten gegen internationale Organisationen und Gipfeltreffen - wie etwa gegen die Welthandelskonferenz in Seattle, Dezember 1999 - bezeichnet. Globalisierungsgegner kritisieren vor allem die weitere Verarmung der ärmeren Länder und sozialen Schichten, die kulturelle Homogenisierung durch Globalisierung sowie die wachsende politische Macht von multinationalen Unternehmen. Der Einwand gegen letzteres lautet, die Globalisierung habe zwar die Voraussetzungen des internationalen Handelns geändert, aber die Regierungen hätten keineswegs ihre Entscheidungsbefugnis eingebüßt. Zudem bestünde zu internationalen Abkommen keine Alternative.

Informationsgesellschaft, manchmal Wissensgesellschaft

Im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bietet die Globalisierung den Bürgerinnen und Bürgern von Wohlstandsgesellschaften einen schnellen Zugriff auf Informationen und die Gelegenheit, sich weltweit mit anderen Personen zu vernetzen. Neue Formen des Wissens stellen auch neue Anforderungen an die gesellschaftliche Organisation und Definition, zum Beispiel von Arbeit und Bildung; manche Beobachter befürchten soziale Spitterprozesse, die zu einem Verlust an sozialem Kapital in einer Gesellschaft führen könnten.

Internet

Das Internet gilt als das Symbol der weltweiten Vernetzung von Individuen und Unternehmen, welche die wirtschaftliche Globalisierung vorantreibt. Paradoxerweise ist das Internet auch ein wichtiges Instrument der Globalisierungsgegner, die sich mit Hilfe dieses Netzes organisieren können.

Kontrolle von Finanzmärkten

Mit der Zunahme von internationalen Kapitalströmen in den letzten Jahren und dem beschleunigten Handel wächst die Gefahr, dass Turbulenzen im Weltwährungssystem und Spekulationen gegen schwache Währungen schwere Finanzkrisen auslösen können - wie etwa 1997/98 in Ostasien. Kritiker behaupten, das globale Finanzsystem sei instabil geworden. Gegen die Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte ist die Einführung einer Devisenumsatzsteuer, der so genannten Tobin-Steuer, vorgeschlagen worden: Ziel dieser Regulierungsmaßnahme wäre es, kurzfristige Spekulationsgeschäfte zu verteuern.

Schuldenreduzierung

Die Schuldenreduzierung gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen, die zur Entlastung von HIPCs (Highly Indebted Poor Countries) und dadurch zur Armutsbekämpfung in den ärmsten Ländern der Welt beitragen könnten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank initiierten 1996 eine Schuldenitiative zugunsten von diesen Ländern, die 1999 erweitert und durch einen PRSP-Prozess (Poverty Reduction and Growth Facility) ergänzt wurde. Kritiker sind der Meinung, diese Initiativen werden immer noch von einer an nördlichen Interessen orientierten Definition von Schuldentragfähigkeit geprägt. Zudem werden weitere Schritte, etwa der Abbau von protektionistischen Maßnahmen im Agrarsektor gefordert.

Weltgesellschaft

Der Weltgesellschafts-Begriff dient vor allem dazu, um auf die Vielfalt der Akteure in der aktuellen Weltpolitik aufmerksam zu machen. Supranationale Einrichtungen, internationale Organisationen, einzelne Regierungen oder Staaten, innergesellschaftliche Organisationen und Bewegungen, internationale Nichtregierungsorganisationen, und manchmal auch Individuen: Alle zusammen werden als eine Weltgesellschaft begriffen. Damit wird die Frage aufgeworfen, ob und inwieweit der Staat infolge der Globalisierung einen Funktionsverlust erleidet. Die nationalen und internationalen gesellschaftlichen Gruppen, die versuchen, die eigene und andere Regierungen zu beeinflussen, werden auch gelegentlich internationale Zivilgesellschaft genannt.

Welthandelsorganisation / World Trade Organization (WTO)

Vorgänger der WTO war seit 1947 das GATT (General Agreement on Tariffs and Trade/Welthandelsabkommen). Die WTO nahm ihre Arbeit am 1. Januar 1995 auf. Ziele der Organisation sind die Gegenseitigkeit aller handelspolitischen Leistungen, die Liberalisierung durch den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen sowie die Begünstigung aller Mitgliedsländer. Außerdem soll die WTO nach ihrer Präambel die nachhaltige Entwicklung und den Umweltschutz fördern.

Dr. Lothar Brock ist Professor am Institut für vergleichende Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt (Main) und Direktor der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

Quelle: @hüti
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