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Gewalteskalation Britannien in Flammen

09.08.2011 ·  Triste soziale Verhältnisse sind keine Rechtfertigung für Gesetzlosigkeit. Die Polizei darf die Straßen Londons nicht den Krawallmachern überlassen. Die Politiker sollten überlegen, ob die „sanfte“ britische Polizeiarbeit zeitgemäß ist - oder eine Einladung zu Straßenkriminalität.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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Fassungslos sind wohl die meisten Briten angesichts der Krawalle, die sich in der Hauptstadt ausbreiten, sich aber nicht mehr auf London beschränken. Brennende Häuserzeilen, Plünderungen am helllichten Tage, ein Todesopfer der Randale - dieses Ausmaß an Gewalt, Aggressivität und an Konfrontationsbereitschaft seitens junger Leute aus sogenannten sozialen Brennpunktvierteln - ein Synonym meist für soziale Verwahrlosung - hat das Land schon sehr lange nicht mehr erlebt.

Offenkundig hat die Polizei eine solche Explosion krimineller Energie nicht erwartet; vorbereitet war sie darauf nicht. Dass ein offenkundig schockierter Premierminister Cameron die Verstärkung der Polizei um zehntausend Einsatzkräfte angeordnet hat, kommt dem Eingeständnis gleich, dass die Polizeiführung die Lage, die seit Samstag eskalierte, falsch eingeschätzt hat. Unter Kontrolle hattte sie diese nicht. Das Zusammentreten des nationalen Krisenstabes und die für Donnerstag einberufene Sondersitzung des Parlaments sind Indizien dafür, für wie gefährlich die Lage mittlerweile gehalten wird.

Was ist hier aus dem Ruder gelaufen?

Aber nicht die Polizei steht am Pranger. Dorthin gehören die vagabundierenden Randalierer, die ganze Stadtviertel mit Gewalt überziehen, der Polizei mit Rache drohen und die sich an dem verzweifelten Gefühl der Bürger weiden, die öffentliche Ordnung breche zusammen. Es ist viel, was den Briten in den vergangenen Monaten zugemutet worden ist, jetzt kommt auch noch Brandgeruch hinzu. Was ist hier aus dem Ruder gelaufen?

Rund 200 Randalierer warfen in der Nacht zu Sonntag Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörper auf Polizisten und setzten Einsatzfahrzeuge, Gebäude und einen Doppeldecker-Bus in Brand.

Sicher wird jetzt wieder über hohe Jugendarbeitslosigkeit, über soziale Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit geredet werden. Das sind die Stichworte, die immer zur Erklärung, wenn nicht zur Rechtfertigung dienen müssen, wenn Jugendliche ihrer Gewaltbereitschaft freien Lauf lassen und schon gar die Autorität des Staates nicht anerkennen. Vermutlich wird auch noch die britische Regierung wegen ihrer Sparpolitik zum Hauptschuldigen erklärt werden.

Ja, triste soziale Verhältnisse können trist sein, aber sie sind keine Rechtfertigung für Gesetzlosigkeit. Die Polizei darf die Straßen Londons nicht den Krawallmachern überlassen. Die Politiker, die für die Polizisten Verantwortung tragen, sollten zudem überlegen, ob die „sanfte“ britische Polizeiarbeit zeitgemäß ist - oder eine Einladung zu brutaler Straßenkriminalität.

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