Home
http://www.faz.net/-gpf-rxhz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2006, 16:03 Uhr

Geschichte Churchill wollte elektrischen Stuhl für Hitler

Der britische Weltkriegs-Premierminister Winston Churchill hätte Adolf Hitler am liebsten auf dem elektrischen Stuhl sterben gesehen. Das geht aus erstmals veröffentlichten Protokollen des Kriegskabinetts in London hervor.

Winston Churchill war nach Berichten britischer Historiker fest entschlossen, Adolf Hitler auf einem elektrischen Stuhl aus den Vereinigten Staaten hinrichten zu lassen. Zudem sollten nach Überzeugung des britischen Premierministers hohe Nazis ohne Gerichtsverfahren erschossen werden. Das geht aus Mitschriften von Beratungen des damaligen Kriegskabinetts unter Leitung Churchills hervor, die am Neujahrstag in London erstmals zur Veröffentlichung freigegeben wurden.

Allerdings wurde der kämpferische Britenpremier in den Diskussionen über den Umgang mit der Nazi-Kriegsverbrechern, die zwischen 1942 und 1945 stattfanden, durch Mitglieder seines eigenen Kabinetts von solchen Vorstellungen abgebracht. Die Aufzeichnungen, die britische Historiker und Medien jetzt dank der Freigabe der Dokumente auswerten dürfen, stammen von Churchills damaligem Sekretär Sir Norman Brook. Danach sagte Churchill unter anderem bei einem Treffen im Dezember 1942, Hitler müsse „natürlich“ getötet werden, sollte er den Briten in die Hände fallen. „Dieser Mann ist die treibende Kraft des Bösen.“

Zur Tötung empfahl Churchill „den elektrischen Stuhl für Gangster“. Die Ausrüstung sollte aus Amerika besorgt werden, da diese Hinrichtungsmethode in Großbritannien bis dahin noch nicht angewendet worden war. Zweieinhalb Jahre später wurde in Churchills Kriegskabinett abermals über den Umgang mit Nazi-Führern nach dem Ende des Krieges diskutiert. Churchill stimmte den Aufzeichnungen zufolge seinem Innenministers Herbert Morrison zu, daß ein Prozeß gegen Hitler und dessen engste Mitarbeiter „eine Farce“ werden könnte. „Es ergeben sich alle möglichen Komplikationen, sobald man einen faires Verfahren zugesteht“, wurde er zitiert. Kurz darauf sei Churchill jedoch übermittelt worden, daß Amerika und Rußland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ordentliche Gerichtsverfahren gegen die deutschen Kriegsverbrecher wünschten. Hitler und andere Nazi-Größen entzogen sich den späteren Nürnberger Prozessen durch Selbstmord.

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Serie über Hitler Warum eigentlich nicht?

Darf man Adolf Hitler als Menschen zeigen – oder muss man es sogar? Niki Stein und Hark Bohm wagen sich an ein Projekt, das polarisieren wird: die erste deutsche Serie über Hitler. Wir haben mit den Filmemachern gesprochen Mehr Von Jörg Thomann

02.02.2016, 09:32 Uhr | Gesellschaft
Holocaust Eichmanns Gnadengesuch im Original veröffentlicht

Israel hat ein in Handschrift auf Deutsch verfasstes Gnadengesuch des Nazi-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann veröffentlicht, das zuvor jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurde. Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages wurde der Brief Eichmanns vom israelischen Staatschef Reuven Rivlin bei einer Zeremonie für die Öffentlichkeit freigegeben. Mehr

27.01.2016, 19:27 Uhr | Politik
Abenteuerin Gertrude Bell Die Wüstensöhne wissen Bescheid

Überzeugt vom zivilisatorischen Auftrag, reitet die englische Abenteurerin und Wüstenkönigin Gertrude Bell 1905 durch Syrien. Und findet nirgends einnehmendere Araber als in Damaskus. Eine Reisebericht der zeigt, was der Krieg heute alles zerstört. Mehr Von Rainer Hermann

03.02.2016, 13:13 Uhr | Feuilleton
Typisch britisch Räucherlachs auf Rührei

Im Osten Londons serviert das Restaurant A Little of What you Fancy britische Küche. Dazu gehört auch das alte englische Gericht Räucherlachs auf Rührei mit Roggenbrot. Mehr

18.01.2016, 11:30 Uhr | Stil
Brexit-Debatte im Unterhaus Sage ich, die EU sei perfekt?

London wettert gegen den Premier: Im Unterhaus muss Cameron seinen Deal mit Brüssel gegen die eigene Partei verteidigen. Mehr Von Jochen Buchsteiner, London

03.02.2016, 21:01 Uhr | Politik

Merkel arrabbiata

Von Daniel Deckers

Was Merkels Anruf beim Papst (wenn es ihn gab) gefruchtet hat, könnte Franziskus uns auch noch wissen lassen. Und gleich dazu, warum Putin von ihm in Sachen Syrien und Ukraine keine wütenden Worte fürchten muss. Mehr 5 7

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden