Auf elf Seiten beschreibt das CDU-Positionspapier mit dem Titel „Werte achten. Chancen nutzen. Für einen verantwortbaren Fortschritt der Bio- und Gentechnik“ das Für und Wider dieses Wissenschaftszweigs. FAZ.NET dokumentiert nach der Verabschiedung im Präsidium und Vorstand der CDU die wichtigsten Passagen des Papiers:
„...Während der nächsten Jahrzehnte, so wird prophezeit, werde es einen immer stärkeren Konsens darüber geben, dass es moralisch gerechtfertigt und sogar geboten sei, dem Leben erbgeschädigter Föten ein Ende zu setzen. Diese Auffassungen sind skandalös. ...
Bei aller Offenheit in der weiteren Entwicklung der Bio- und Gentechnologie gibt es schon heute die Notwendigkeit, Grenzen zu ziehen. Verantwortbare Entwicklungen müssen zugelassen und gefördert werden. Entwicklungen, mit denen eine Verletzung der Würde des Menschen einhergeht, müssen verhindert werden. Die Würde des Menschen ist ein absoluter Wert. Sie kann nicht relativiert werden.. ..
Die CDU hält an der philosophisch, theologisch und naturwissenschaftlich begründeten Position fest, dass jeder menschliche Embryo von Anfang an, seit der Verschmelzung der Kerne von Ei- und Samenzelle, ein menschliches Wesen ist und unter dem Schutz des Grundrechts auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde steht.
Die CDU lehnt die Erzeugung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken und zu therapeutischen und gewerblichen Zwecken ab, ebenso die verbrauchende Embryonenforschung. Dies gilt auch dann, wenn die Embryonen durch Kerntransplantation in entkernte menschliche Eizellen hergestellt werden sollen, um daraus Stammzellen für Zellersatzstrategien zu gewinnen („therapeutisches Klonen“).
Die CDU begrüßt die Fortschritte bei der Erforschung des therapeutischen Potenzials adulter Stammzellen einschließlich der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut. Wegen der neuen und vielversprechenden Perspektiven, die dabei zur Heilung von Kranken eröffnet werden, verdient diese Forschung die bestmögliche Förderung und Unterstützung. Deutschland hat einen Spitzenplatz bei der Erforschung adulter Stammzellen.. ..
Die Gewinnung embryonaler menschlicher Stammzellen lehnen wir ab, wenn die Embryonen dabei zerstört oder so verletzt werden, dass ein Transfer in den Mutterleib zur Einleitung einer Schwangerschaft unvertretbar erscheint. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Hinweise gibt, wonach in der Zukunft die Gewinnung embryonaler Stammzellen ohne die Zerstörung des Embryos möglich werden könnte.
Die CDU lehnt das reproduktive Klonen von Menschen ab.
Die CDU lehnt gezielte Eingriffe in die menschliche Keimbahn ab.
Die Bundesärztekammer hat im März 2000 einen Diskussionsentwurf zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vorgelegt. Seit dem wird die Frage der Zulassung dieser Methode breit diskutiert.
Schwer wiegen die Bedenken derer, die die PID als Erweiterung des Spektrums der vorgeburtlichen Diagnostik sehen. Vor dem Hintergrund der bestehenden Richtlinien und Rechtslagen zur in vitro- Fertilisation, zur Pränataldiagnostik und zur medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch lehnen die Vertreter dieser Auffassung die Präimplantationsdiagnostik nicht grundsätzlich ab.
Sie erkennen die schwere Not und Konfliktsituation von betroffenen Paaren mit Kinderwunsch an, die auf Grund eines hohen Risikos für bekannte und schwerwiegende genetisch bedingte Erkrankungen des Ungeborenen eine Präimplantationsdiagnostik in Anspruch nehmen möchten, um einen späteren Schwangerschaftsabbruch nach medizinischer Indikation, der nach unserer Rechtslage rechtmäßig ist, zu vermeiden. Für diese Vertreter ist allerdings auch klar, das Eugenische Ziele in der PID nicht verfolgt werden dürfen. Bei streng gestellter Indikation und qualifizierter und unabhängiger Pflichtberatung sollte nach dieser Meinung in den genannten Einzelfällen die Möglichkeit einer Präimplantationsdiagnostik an nicht totipotenten Zellen bestehen.
Wir wollen die Diskussion weiter führen. PID, Pränataldiagnostik und Spätabtreibungen sind dabei in einem engen Zusammenhang zu sehen.“