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Gentechnik Ethikrat für Moratorium therapeutischen Klonens

Der von der Bundesregierung eingesetzte Nationale Ethikrat will das Klonen für die Forschung „gegenwärtig“ nicht erlauben. Wie lange das Verbot aber aufrechterhalten werden soll, bleibt unklar. Die Union protestiert.

© AP Vergrößern Acht geklonte Embryonen im Stadium der dritten Zellteilung

Bundesforschungsministerin Bulmahn (SPD) hat sich gegen eine Zulassung des therapeutischen Klonens in Deutschland ausgesprochen, obwohl eine Mehrzahl der Mitglieder des Nationalen Ethikrats und Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) dafür plädieren.

Bulmahn äußerte am Montag zudem Erleichterung darüber, daß der Ethikrat entgegen der Meinung einer Mehrzahl seiner Mitglieder eine Empfehlung für ein Moratorium und nicht für eine Zulassung des Klonens zu Zwecken der Gewebezucht ausgesprochen hat. Ein Moratorium, wie es das Verbot im deutschen Recht darstelle, sei "dem Stand der Wissenschaft angemessen".

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Kein Klonen zur Fortpflanzung

Der Vorsitzende des Gremiums, Simitis, berichtete, nach einjährigen Beratungen hätten sich zwölf der 25 Mitglieder für ein Ja zum sogenannten therapeutischen Klonen unter strengen Bedingungen ausgesprochen und fünf dagegen. Fünf weitere Mitglieder, darunter Simitis selbst, wollen am Klonverbot festhalten, zeigen sich aber offen für verwandte Techniken, die eine Erzeugung von Embryonen umgehen.

Therapie mit Stammzellen © dpa Vergrößern

Simitis sagte, der Rat habe aber nicht formal abgestimmt. Vielmehr habe man sich darauf geeinigt, trotz der unterschiedlichen Positionen ein Moratorium zu befürworten. Bulmahn interpretierte das als Bestätigung des geltenden Embryonenschutzes. Einhellig verurteilte der Ethikrat in seiner Stellungnahme das Klonen zur Fortpflanzung. Beim therapeutischen Klonen wird der erzeugte Embryo aber nicht einer Mutter eingepflanzt, vielmehr werden seine Stammzellen zur Zucht von Ersatzgewebe genutzt. Das Verfahren wurde bisher nur im Tierversuch getestet.

Keine echte Empfehlung

Die Stellungnahme des Ethikrats wurde nicht nur von Gegnern, sondern auch von Befürwortern des therapeutischen Klonens kritisiert. Die Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, Flach (FDP), sagte, sie sei enttäuscht, daß die Mehrheitsmeinung nicht in Form einer echten Empfehlung an die Politik formuliert worden sei. Die forschungspolitische Sprecherin der CDU/CSU im Bundestag, Reiche, sagte, es habe sich nur "um eine Art Votum" gehandelt. Reiche forderte, der Bundestag solle seine ablehnende Position überdenken und umgehend die strengsten Beschränkungen für Stammzellforscher aufheben.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Lehmann, sowie der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Huber, lobten den Ethikrat unterdessen dafür, daß er sich "klar gegen ein Klonen zu Fortpflanzungszwecken" ausspreche. Damit entspreche er nicht nur der nahezu einhelligen Urteilsbildung weltweit, sondern teile auch die Ansicht der Kirchen. Indes bedauerten die Bischöfe, daß der Ethikrat sich nicht auf eine einheitliche ablehnende Stellungnahme zum Forschungsklonen geeinigt habe.

Quelle: csl./D.D., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2004, Nr. 214 / Seite 1

 
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