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Genscher in der F.A.Z. : Kein Alleingang bei der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens

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22. Februar 1992: Hans-Dietrich Genscher besucht unter dem Jubel der Bevölkerung das unabhängige Kroatien. Das Bild zeigt ihn vor der Kathedrale in der Hauptstadt Zagreb Bild: AP

War Deutschland durch die vorzeitige Anerkennung von Slowenien und Kroatien im Jahr 1991 mitverantwortlich für den Balkankrieg? Hans-Dietrich Genscher widerspricht im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) hat es als falsch bezeichnet, Deutschland sei 1991 bei der Anerkennung der Unabhängigkeit Sloweniens und Kroatiens vorgeprescht und habe damit das Ende Jugoslawiens besiegelt. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Genscher: „Das sind natürlich auch die Versuche einiger anderer seinerzeit Beteiligter, nachträglich ihre damaligen Irrtümer zu bewältigen.“ Deutschland habe am 23. Dezember nur den Beschluss vollzogen, der zuvor am 17. Dezember von der damaligen Europäischen Gemeinschaft getroffen worden sei. Die Anerkennung sollte demnach mit Wirkung vom 15. Januar 1992 gelten. „Daran hielt sich Deutschland“, sagte Genscher der F.A.Z.

          Gemeinhin gilt der 23. Dezember 1991 als der Tag, an dem Deutschland als erster Staat Kroatien und Slowenien anerkannt habe. Dem widersprach Genscher und sagte: „Wir haben nicht vorher anerkannt. Wir haben nur den Beschluss der Anerkennung vorher gefasst.“ Das sei von Bundeskanzler Kohl auch so angekündigt worden. „Das Kabinett bestätigte den Beschluss zur Anerkennung zum 15. Januar 1992. Von einer Sonderrolle Deutschlands kann also nicht die Rede sein“, sagte Genscher. Er habe am Ende der Sitzung der EG-Außenminister in Brüssel am 17. Dezember 1991 zweimal gesagt, „dass ich vorhabe, auf unserer nächsten Kabinettssitzung über den europäischen Beschluss zur Anerkennung zu berichten, damit er bei uns bestätigt werden kann“.

          Deutschland sei auf dem Treffen der Europäer in Brüssel vom britischen Außenminister Hurd unterstützt worden, die Anerkennung der beiden Staaten anzukündigen. Hurd habe mit anderen Worten gesagt: „Ich möchte mal feststellen, Deutschland hat jetzt Monate gewartet mit dieser Entscheidung. Deutschland hat sich korrekt daran gehalten, dass wir gemeinsam handeln. Es ist jetzt Zeit. Das können wir nicht noch mal aufschieben. Deshalb müssen wir das heute entscheiden.“ Das sei der „entscheidende Moment“ für die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens gewesen.

          Hans-Dietrich Genscher wird seit jenem Dezember 1991 vor allem in Kroatien verehrt. In der Hauptstadt Zagreb wurde damals ein Café, später auch ein Platz nach ihm benannt.

          Ein Interview mit Hans-Dietrich Genscher lesen Sie in der Freitagsausgabe (23. Dezember 2011) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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