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Genforschung Menschliches Erbgut ganz entziffert

12.02.2001 ·  Bundesforschungsministerin Bulmahn hat wie ihre Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Japan erste Erkenntnisse zu den Ergebnissen des internationalen Human-Genom-Projekts dargestellt.

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Die erste Karte des ganzen menschlichen Genoms wird Ende der Woche in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Auf 60 Seiten beschreiben die Autoren des internationalen Human-Genom-Projekts die Bausteine des menschlichen Erbguts.

Die Wissenschaftsminister der Regierungen von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Japan informierten am Montag über die Veröffentlichung. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte bei der Präsentation in Berlin, die Bundesregierung werde die Genomforschung in den kommenden drei Jahren mit 870 Millionen Mark fördern.

Größtes biologisches Forschungsprojekt

Das internationale Human-Genom-Projekt wurde vor elf Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet und ist das bisher umfangreichste biologische Forschungsprojekt der Welt. 16 Forschungseinrichtungen, darunter drei deutsche, und rund 1000 Wissenschaftler arbeiteten quer über die Kontinente an der Entschlüsselung aller Gene des menschlichen Erbguts. Rund 2,7 Milliarden Bausteine der menschlichen DNA wurden entziffert. Die Forscher fanden insgesamt zwischen 30.000 und 40.000 Gene, wesentlich weniger als ursprünglich erwartet. Die Ergebnisse der Forschungsbemühungen waren kontinuierlich im Internet offengelegt worden. Nun steht die gesamte Sequenz jedem Interessierten zur Verfügung.

Wettlauf der Wissenschaftler

Heftig kritisierten die deutschen Wissenschaftler bei der Präsentation ihrer Ergebnisse den amerikanischen Unternehmer Craig Venter. Er war im vergangenen Jahr mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen, sein Unternehmen Celera Genomics habe 99 Prozent des menschlichen Erbguts entschlüsselt. Im Juni folgten die Forscher des öffentlich geförderten Genom-Projekts, medienwirksam unterstützt vom amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und von Großbritanniens Premierminister Tony Blair.

Die deutschen Genetiker warfen Venter in Berlin vor, sein Unternehmen habe bei der Sequenzierung keinen Erfolg gehabt. Im Gegensatz zur internationalen Forschergruppe hatten Venters Wissenschaftler das Genom in viele kleine Einheiten geteilt,die einzeln entziffert wurden. Diese Bruchstücke habe Celera nicht sinnvoll zusammensetzen können, hieß es in Berlin. Venter habe die Genfragmente nicht im Gesamtgenom verankern können. 60 Prozent der Sequenz Venters, die ebenfalls Ende der Woche, dann im Wissenschaftsmagazin „Science“, veröffentlicht werden soll, komme aus öffentlichen Forschungsprogrammen. Celera habe die eigene Sequenz mit den öffentlichen Sequenzen abgleichen müssen, um ein Ergebnis zu erhalten.

„Schneller, billiger, besser“

Zwischen der internationalen Forschergruppe und Venter war es im vergangenen Jahr zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Venter hatte den Forschern vorgeworfen, zu langsam zu sein und zuviel Geld zu verbrauchen. Er selbst war mit dem Motto “schneller, biliger, besser“ angetreten. Daraufhin fürchteten die Wissenschaftler des Human-Genom-Projekts den Rückgang öffentlicher Forschungsmittel.

Forschungsministerin Buhlmahn sagte den Wissenschaftlern nun eine weitere Förderung zu. Die Bundesregierung habe ein neues Forschungsprogramm unter dem Titel „nationales Genom-Forschungsnetz“ angestoßen, das zusätzlich mit 350 Millionen Mark gefördert werden soll. Das Forschungsnetz soll die Funktionen einzelner Gene entschlüsseln, die bisher noch weitgehend unbekannt sind. Die deutschen Forscher werden sich dabei auf fünf Kernthemen konzentrieren: Krebs, Krankheiten des Nervensystems, umweltbedingte Krankheiten, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Entzündungen. Das Forschungsnetz soll nach dem Willen der Ministerin die Grundlagenforschung an den Genen mit der Erforschung praktischer Anwendungsmöglichkeiten in Medizin und Pharmazie verbinden.

Bulmahn sagte, die Genforschung werde weiterhin ein wichtiger Impulsgeber der Forschung sein. Die Verkündung der genetischen Erkenntnisse hatte schon im vergangenen Jahr auch in der deutschen Gesellschaft eine Diskussion über die Zukunft des Menschen und die Gefahren des im Reagenzglas gezüchteten Lebens entfacht. Unter anderem wird diskutiert, ob menschliche Embryonen für gentechnische Zwecke genutzt und in welcher Form Gentests verwendet werden dürfen.

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