03.09.2004 · Mit einem Aufruf für eine politische Lösung des Tschetschenien-Konflikts haben die EU-Außenminister auf das blutige Ende des Geiseldramas in Beslan reagiert. Bundeskanzler Schröder verurteilte das Vorgehen der Terroristen.
Die Außenminister der Europäischen Union haben das blutige Ende der Geiselnahme in der Schule von Beslan bedauert. Der amtierende EU-Ratsvorsitzende, der niederländische Außenminister Bot, sprach bei dem Treffen der EU-Außenminister in Valkenburg bei Maastricht von einer "großen menschlichen Tragödie". Er verstehe "das Dilemma, dem sich die russische Regierung ausgesetzt sah".
Mit Bestürzung reagierten die Minister auf den Tod vieler Geiseln. Es sei aus der Ferne schwer zu beurteilen, ob das Vorgehen der Sicherheitskräfte angemessen war. Die Behörden hätten ihre Möglichkeiten sicherlich genau geprüft. Bot drückte den Angehörigen der Opfer, dem russischen Volk und der russischen Regierung das Beileid aus: Die EU verurteile jede Form des Terrorismus und werde die russische Regierung bei der Suche nach einer Lösung des Tschetschenien-Konflikts unterstützen.
„Gewissenlose Terroristen“
Bundeskanzler Schröder (SPD) verurteilte das Vorgehen der Terroristen in Beslan. Ihm lägen zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse über Hintergründe der Vorgänge vor. Das Mitgefühl mit den Opfern und Angehörigen bewege aber jeden Menschen in Deutschland - "mich natürlich auch", sagte Schröder am Freitag in Bonn. "Eines ist klar, hier haben gewissenlose Terroristen versucht, mit der Ermordung von Menschen politische Ziele zu erreichen, die dann keine mehr sein können."
Bundesaußenminister Fischer (Grüne) bezeichnete den Überfall der Geiselnehmer als abscheuliches Verbrechen. "Wir dürfen nicht vergessen, daß wir unsere Werte auch unter schwierigen Bedingungen verteidigen müssen." Fischer warnte vor einem "Krieg der Zivilisationen": Die Geiselnahme zeige, "daß wir es mit einem Gegner zu tun haben, der totalitär denkt, der zu äußerster Brutalität entschlossen ist"; da gebe es "keine einfache Antworten". Der Konflikt in Tschetschenien, in dem auf beiden Seiten Menschenrechte verletzt würden, könne nur politisch gelöst werden. Bundespräsident Köhler gedachte der Opfer bei einem Besuch einer Jugendeinrichtung in Essen mit einem gemeinsamen Vaterunser.