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Geheimdienste : Selektoren, Superhubs und „Community Detection“

Bild: Greser & Lenz

Sie zapfen Glasfaserkabel an, schneiden Gespräche mit und hören Satelliten ab. Was machen die Geheimdienste mit all den Daten?

          Die Menge an Daten, die Geheimdienste jeden Tag aus ihren Abhör- und Überwachungsprogrammen erhalten, sprengt jede Vorstellung. Was machen die Dienste damit? Offizielle Aussagen darüber gibt es selbstverständlich nicht, aber aus den bislang bekannt gewordenen Dokumenten und dem Stand der Informationstechnik lässt sich ein ungefähres Bild zusammensetzen. Die Enthüllungen der vergangenen Wochen zeigen überdies, dass Amerikaner, Briten und Deutsche die gleichen Analysewerkzeuge einsetzen sollen. Demnach hat der amerikanische Militärgeheimdienst NSA Software sowohl an die Briten als auch an den Bundesnachrichtendienst weitergegeben. Etliche Funktionen sind schon aus wirtschaftsnahen Anwendungen bekannt.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Das britische Government Communications Headquarters (GCHQ) betreibt einen riesigen „Pufferspeicher“, der Verbindungsdaten 30 Tage lang und Kommunikationsinhalte drei Tage lang vorhalten kann. Dann muss entschieden werden, ob die Daten dauerhaft archiviert werden sollen. Zwar ist Speicherplatz in den vergangenen Jahren immer billiger geworden, doch sind selbst die Kapazitäten des GCHQ nicht unbegrenzt. Deshalb wird ein Verfahren zur Volumenreduktion eingesetzt, genannt MVR (massive volume reduction). Große Dateien von wenig Wert fallen schon auf der ersten Stufe heraus: Filesharingdaten etwa, also Musikstücke und Videos, die Internetnutzer untereinander austauschen. Das reduziert die beim GCHQ anfallende Datenmenge angeblich schon um etwa ein Drittel.

          Spracherkennung in Echtzeit

          Der verbleibende Bestand wird nach sogenannten „Selektoren“ durchkämmt, das können Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder sehr spezifische Stichwörter sein. Gesucht wird zum Beispiel nach den Namen von chemischen Substanzen, Bauteilen oder Zutaten von Bomben. Die Briten sollen 40.000, die Amerikaner immerhin noch 31.000 Suchwörter definiert haben. Die Listen sind wohl auch deswegen so lang, weil sie unterschiedliche Sprachen abdecken. Kommen solche Stichwörter häufiger oder in bestimmten Kombinationen vor, dürfte der Informationswert der betroffenen Dokumente steigen. Dann könnte eine Software automatisch weitere Prozesse anstoßen, etwa die dauerhafte Speicherung der Inhalte oder die sofortige Vorlage des Falls an einen Analysten.

          Bei unverschlüsselten E-Mails haben es die Geheimdienste leicht - sie lassen sich so einfach auslesen wie Postkarten. Und verschlüsselt wird selten. Bei Telefongesprächen muss zunächst eine Spracherkennungssoftware das gesprochene Wort in Text verwandeln. Das stellt heute kein Problem mehr dar und funktioniert in Echtzeit.

          Aber nicht nur einzelne, verdächtige Mails dürften die Geheimdienste interessieren. Aus der Gesamtheit der Kommunikation ergibt sich, worüber die Menschen reden, was sie bewegt. Man kann Aussagen treffen über den Zustand einer Gesellschaft oder die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Deshalb dürfte spezielle Software zur Trendanalyse und Mustererkennung zum Einsatz kommen, die heute schon verfügbar ist und auch mit riesigen Datenbeständen zurecht kommt. Sie sucht in den Daten nach Zusammenhängen aller Art. „Es gibt Muster, die relativ schwer zu entdecken sind, weil sie für das menschliche Auge viel zu selten auftreten“, sagt Jörn Müller-Quade, Informatikprofessor am Karlsruher Institut für Technologie. „Daten können Sie sich vorstellen als Punkte in einem Raum mit mehreren Dimensionen. Wenn Punkte sehr nahe beieinander liegen, sind bei denen viele Merkmale ähnlich. Das kann dafür sprechen, dass dahinter ein Muster steht.“

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