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Veröffentlicht: 12.08.2013, 17:26 Uhr

Geheimdienste Orten, peilen, überwachen

Der BND gibt Mobilfunkdaten an die Amerikaner weiter. Aber wie präzise lässt sich damit der Ort eines Handy-Nutzers bestimmen? Das hängt von vielem ab.

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© dpa Jedes Handy ist ein Peilsender

Der Bundesnachrichtendienst gibt Mobilfunkdaten aus der Auslandsaufklärung an die Amerikaner weiter. Offen ist aber, inwiefern diese Daten dazu verwendet werden können, Terroristen oder Terrorverdächtige genau zu lokalisieren - und dann mit Drohnen zu töten. Macht sich der Bundesnachrichtendienst (BND) womöglich zum Helfer von Hinrichtungen per Drohne, wie Medienberichte nahelegen?

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Der BND bestreitet, dass die von ihm übermittelten Daten ausreichen, um Personen genau lokalisieren zu können. Und selbst der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Thomas Oppermann (SPD), wollte nach der Sitzung des Gremiums am Montag nicht den Vorwurf erheben, dass die vom BND weitergegebenen Handydaten für gezielte Tötungen genutzt würden. „Ich kann nicht erkennen, dass der BND solche Informationen weitergibt“, sagte Oppermann.

Wie genau Handys verdächtiger Personen lokalisiert werden können, hängt davon ab, wie umfangreich die übermittelten Daten sind. Mobilfunknummern allein reichen zur Lokalisierung natürlich nicht aus, Daten aus der Funkzellenabfrage - sogenannte Funkzellenidentitäten - reichen für eine grobe Lokalisierung, deren Präzision allerdings stark schwankt. Die genaueste Ortung lässt sich mit einer Laufzeitpeilung erreichen.

Beim Netzanbieter laufen alle Daten zusammen

Jedes eingeschaltete Handy sucht automatisch und vom Besitzer unbemerkt immer wieder nach Mobilfunksendern, sogenannten Basisstationen, in der Umgebung. Jede Basisstation bildet eine Funkzelle. Das Handy klinkt sich in die stärkste Funkzelle ein, die es finden kann. Bewegt sich der Handybesitzer, wird sein Telefon von einer Basisstation an die nächste weitergereicht. Bei jedem Einbuchen in eine neue Basisstation überträgt das Handy seine Gerätenummer (IMEI) und die Nummer der Sim-Karte (IMSI). Beide werden weltweit nur einmal vergeben, erlauben also eine eindeutige Identifizierung.

Hat jemand Zugriff auf all die Daten über Einbuchungen an verschiedenen Basisstationen, kann er ein Bewegungsprofil des Handyträgers erstellen. Praktisch für die Geheimdienste ist, dass all diese Daten an einer Stelle zentral gespeichert - und laufend aktualisiert - werden: beim Netzbetreiber.

Wie genau die Ortung mit Funkzellendaten ist, hängt von der Größe der einzelnen Zelle ab. In jeder Funkzelle kann nur eine Höchstzahl von Handys gleichzeitig eingebucht sein. Deshalb gibt es in Großstädten, wo viel telefoniert wird, mehr Funkzellen; die Basisstationen stehen dichter beieinander als auf dem Land. Die Genauigkeit einer Ortung auf Basis der Funkzelle schwankt somit zwischen wenigen zehn Metern in der Stadt und mehreren Kilometern auf dem Land.

Durch Zusatzinformationen lässt sich die Genauigkeit einer Ortung verbessern. Diese Informationen können nicht-technisch, etwa durch Beobachtung von Zielpersonen, gewonnen werden: Wo halten sie sich gewöhnlich zu bestimmten Zeiten auf, was sind bevorzugte Anlaufstellen? Zusatzinformationen, die eine Ortung innerhalb der Funkzelle ermöglichen, können aber auch technisch erhoben werden, etwa aus GPS-Daten. Die meisten Smartphones verfügen über ein eingebautes Satellitennavigationssystem, und viele Anwendungen übertragen Positionsdaten.

Höchste Genauigkeit durch Laufzeitpeilung

Hat der Handybesitzer das GPS abgeschaltet oder nutzt er ein altes Gerät ohne GPS, kann der Netzbetreiber das Mobiltelefon dennoch genauer orten. Das Verfahren heißt Laufzeitpeilung. Zwei oder mehr Basisstationen empfangen das Signal des Handys, und aus der Zeitdifferenz des Empfangs lässt sich berechnen, wo sich das Handy befindet. Im Unterschied zum GPS-Verfahren kann der Handynutzer sich gegen diese Peilung seines (eingeschalteten) Handys nicht wehren, er bekommt davon nichts mit. Die Ortung kann bis auf wenige zehn Meter genau sein. Anders als bei der reinen Funkzellenabfrage ist es für die Laufzeitpeilung sogar von Vorteil, wenn die Basisstationen auf dem Land und nicht in der Stadt stehen, denn auf dem Land gibt es weniger störende Reflexionen an Häuserwänden.

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Die Laufzeitpeilung ist zum Telefonieren nicht erforderlich, sie wird deshalb nicht standardmäßig eingesetzt. Aber ein Netzbetreiber kann sie jederzeit vornehmen. Es gibt starke Indizien dafür, dass die Mobilfunkbetreiber mit Geheimdiensten kooperieren. Anderenfalls müsste der BND die Anlage des Betreibers hacken, um an die Daten zu kommen. „Diese Variante scheidet mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit aus“, sagt der Hamburger Informatiker Hannes Federrath. „Die Netze in Afghanistan oder Pakistan werden mit derselben Technik betrieben wie die Netze in westlichen Staaten - und sie sind sehr gut gesichert. Es gibt weltweit ja nur eine Handvoll Anbieter von Mobilfunktechnik.“

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Von Christian Heinrich Meier

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Quelle: wahlrecht.de
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