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Gefangenenaustausch in Nahost Die Quadratur des Dreiecks

Ein Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah steht offenbar unmittelbar bevor - dank deutscher Vermittlung. „Der Schlüssel waren Nasrallah, Iran und Syrien“, sagt der Exgeheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer, im Gespräch mit FAZ.NET.

© AFP Vergrößern In den Händen von Nasrallah: Plakat des Hizbullah-Generalsekretärs im südlibanesischen Nabatijeh

Offiziell hielt sich Ofer Dekel mit seiner Frau zu einem Kurzurlaub in Paris auf. Doch am Dienstag kam dem mit der Befreiung der beiden Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev betrauten Uanterhändler der israelischen Regierung ein beruflicher Termin in die Quere: In der französischen Hauptstadt soll er Gespräche geführt haben mit dem deutschen Vermittler Gerhard Conrad, der in den kommenden Tagen eine Einigung zwischen Israel und der libanesischen Hizbullah verkünden will, wie Beobachter in Jerusalem berichten, die gute Kontakte zu israelischen Sicherheitskreise haben. Zurück in Israel, informierte Dekel am Mittwoch dann die Angehörigen der beiden im Juli 2006 entführten Soldaten über den Stand der Verhandlungen mit der schiitischen Miliz von Hassan Nasrallah.

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Ob Conrad Bilder oder andere Beweise vorlegte für den vermuteten Tod der jungen Männer, deren Entführung durch Hizbullah-Milizionäre vor zwei Jahren den Zweiten Libanon-Krieg auslöste, ist unklar. Unmittelbar nach Ende des 34 Tage dauernden Waffenganges im August 2006 hatte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan Conrad mit der Regelung der Gefangenenfrage betraut.

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„Mr. Hizbullah“ hat den Deal eingefädelt

Der ehemalige Leiter der Residenz des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Damaskus wird in Geheimdienstkreisen als „Mr. Hizbullah“ bezeichnet: Schon vor dem letzten großen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah im Januar 2004 war er hinter den Kulissen präsent. Im Austausch gegen drei tote israelische Soldaten und den Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum kamen 29 libanesische Gefangene sowie mehr als 400 weitere arabische Häftlinge frei. Im Rampenlicht freilich stand Conrad damals nicht, sondern der frühere Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt und heutige BND-Präsident, Ernst Uhrlau.

Israel1 © AP Vergrößern Die Entführten: Poster von Ehud Goldwasser, Gilad Shalit und Eldad Regev in Tel Aviv

Uhrlau konnte anknüpfen an die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer. Der hatte die guten Kontakte Helmut Kohls zu den arabischen Staaten und Israel genutzt, um in den neunziger Jahren gleich mehrere Gefangenenaustausche über die Bühne zu bringen. „Der Schlüssel waren Nasrallah, Iran und Syrien“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete, daran habe sich bis heute nichts geändert. „Das Dreieck Teheran–Damaskus–Beirut muss von allen abgedeckt werden, sonst haben Verhandlungen keine Aussicht auf Erfolg.“

Schon 1992 gelang es Schmidbauer, die im Libanon entführten deutschen Geiseln Heinrich Strübig und Thomas Kemptner freizubekommen. 1996 kam es zum ersten mit deutscher Vermittlung organisierten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah – die Vorbereitungen seien „gesichtslose Veranstaltungen“ gewesen, die sich größtenteils in Damaskus abspielten, unter Beteiligung des iranischen Botschafters, Nasrallahs oder dessen Untergebenen. Der BND habe dabei „nicht selbständig“ gehandelt, sondern „war gebunden an die politische Linie“, die das Kanzleramt vorgab.

Ein Geben und Nehmen

Ein unverkrampftes Verhältnis zu Nasrallah, nach Teheran und zum syrischen Präsidenten Baschar Assad sei das Geheimnis des deutschen Erfolges gewesen, sagt Schmidbauer. „Sehr gute personelle Kontakte auf höchster Ebene, die von Vertrauen geprägt waren“, hätten die Deutschen zu anerkannten Vermittlern werden lassen. „Es musste immer etwas gegeben und genommen werden, das war das Prinzip.“ Als „Pendeldiplomatie, die sehr diskret ablief“, fasst Schmidbauer, der nach dem Amtsantritt der rot-grünen Regierung 1998 aus dem Kanzleramt ausschied, seine Tätigkeit zusammen.

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