In ungewöhnlich stolzer Form hat die Bundesregierung am Dienstag dargelegt, welchen Anteil sie an dem Gefangenenaustausch zwischen der Hizbullah und Israel hat, der für diesen Mittwoch geplant ist. „Die Bundesregierung hat diesen Prozess großzügig unterstützt, indem sie ihre bereits in vergangenen Vermittlungsmissionen bewährten Kontakte in der Region in den Prozess einbrachte“, heißt es in einer schriftlichen Darstellung des Bundeskanzleramts.
Für die Vereinten Nationen sei es ein großer Erfolg, dass damit die Sicherheitsratsresolution 1701 aus dem Jahr 2006 umgesetzt werde, heißt es in der Darstellung des Kanzleramts. Ausführlich jedoch wird die eigene Rolle gewürdigt: „Die Vermittlung des Austausches ist allerdings auch ein großer Erfolg für die Bundesregierung, für den deutschen Vermittler, der großartige Arbeit geleistet hat, und für den Bundesnachrichtendienst, dessen Mitarbeiter der Vermittler ist.“ Ein bewährter BND-Mitarbeiter sei mit der Aufgabe betraut worden, dem ein „kleines Team“ zur Seite gestanden habe.
„18 Monate eines kräftezehrenden Marathons“
Der Name des Mannes wird nicht genannt. Es handelt sich dabei aber ganz offenbar um Gerhard Conrad, den früheren Leiter der BND-Residenz in Damaskus, der dem Vernehmen nach fließend Arabisch spricht. Für ihn endeten mit dem Gefangenenaustausch „18 Monate eines kräftezehrenden Verhandlungs- und Reisemarathons“, heißt es in dem Bericht. Auf insgesamt 100 Reisen zwischen New York, Tel Aviv, Beirut und weiteren Städten sei es für ihn zu „über 200 Begegnungen, nächtelangen Diskussionen, zähen Positionsbestimmungen“ gekommen. Selbst die Anzahl von 700 000 Flugkilometern, die der eingesetzte BND-Mann, also Conrad, zurückgelegt habe, wird genannt.
Als Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah den Gefangenenaustausch mit Israel vor zwei Wochen bekanntgab, erwähnte er die Bundesregierung ausdrücklich. „Ich weiß, dass die deutsche Regierung während der komplizierten und schwierigen Stufen zugunsten des deutschen Vermittlers interveniert hat, um bestimmte Probleme zu lösen“, sagte er am 2. Juli auf einer Pressekonferenz.
Im Auftrag von Ban Ki-moon
Zugleich stellte Nasrallah klar, dass die mit Unterbrechungen seit dem Ende des Libanon-Krieges im August 2006 laufenden Vermittlungen „international und nicht deutsch“ gewesen seien. Der deutsche Vermittler Conrad habe im Auftrag von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gehandelt - nicht etwa von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier.
Eingeweiht in die Entwicklungen aber waren die Kanzlerin und ihr Vizekanzler durchaus. Noch auf seiner jüngsten Nahostreise hatte Steinmeier sich mit Angehörigen der vermissten israelischen Soldaten getroffen, deren Leichname nun nach Israel heimkehren sollen. Bei Conrad liefen die Fäden auch schon vor dem großen Gefangenenaustausch im Januar 2004 zusammen. Im Rampenlicht aber stand seinerzeit der damalige Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, der während der gesamten Austauschaktion in Beirut blieb - in Obhut der Hizbullah.
So wie der heutige BND-Präsident 2004 in Beirut soll auch Conrad präsent sein, wenn der Austausch an diesem Mittwoch im libanesischen Grenzort Naqura stattfindet. Allein in den vergangenen Wochen traf er sich in Europa mehrere Male mit dem israelischen Unterhändler Ofer Dekel. Der ist von der israelischen Regierung nicht nur beauftragt, das Schicksal der im Laufe des Tages am israelischen Grenzübergang Rosh Hanikra erwarteten israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldat Regev zu klären, sondern auch den im Juni 2006 im Gazastreifen entführten Galid Schalit freizubekommen. (Siehe auch: Die vermissten Israelis: Regev, Goldwasser, Arad)
Auch in Israel habe man den deutschen Diensten ebenso wie der Bundesregierung die Rolle des „ehrlichen Maklers“ abgenommen, sagt Yossi Melman, Geheimdienstfachmann der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Mit dem Gefangenenaustausch sei die Mission des BND noch nicht beendet, heißt es in dem Kanzleramtspapier. Die Bundesregierung habe Israel ihre Hilfe zugesagt, das Schicksal weiterer Vermisster aufzuklären. (Siehe auch: Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah: Eine zweite Befreiung)
Eigenlob
heinz peter (pitiplatsch)
- 16.07.2008, 08:18 Uhr