29.12.2008 · Die Hamas hat die Waffenruhe genutzt, um sich auf einen Angriff vorzubereiten, vermutet das israelische Militär. Das Tunnelsystem unter dem Gazastreifen sei ausgebaut worden, „eine eigene Welt“ sei unter der Oberfläche entstanden.
Dass eine Bodenoperation im Gazastreifen alles andere als eine einfache Unternehmung wäre, wissen die israelischen Streitkräfte. Mehr als 15.000 Kämpfer stehen der Hamas-Führung im Gazastreifen zur Verfügung, von 20.000 Bewaffneten ist bisweilen die Rede. „Sie haben ihre Hausaufgaben in der Zeit der Waffenruhe gemacht“, sagte ein ranghoher Offizier der israelischen Streitkräfte der F.A.Z. Das Tunnelsystem unter dem Gazastreifen sei seit der Feuerpause vom Juni massiv ausgebaut worden – „eine eigene Welt“ sei unter der Oberfläche entstanden: „Man kann dort so ziemlich alles bekommen.“
Nach Armeeangaben verfügen die Hamas-Kämpfer über zahlreiche Panzerabwehr- und Flugabwehrwaffen. Die Waffen seien iranischer Herkunft und von Ägypten aus in den Gazastreifen geschmuggelt worden. Das Gleiche gelte für große Mengen Geld. „Sie haben, was in dem Gelände nützlich ist“, sagt ein ranghoher israelischer Offizier. Die Verteidigungsanlagen im Gazastreifen seien verstärkt worden, Gräben und Schützenlöcher wurden befestigt. Von Israel gelieferter Beton wurde unter anderem dafür verwendet, Tunnelverbindungen zwischen den Häusern im Gazastreifen zu bauen, um das Gelände besser verteidigen zu können.
Ausbilder aus Iran und dem Libanon
Die Hamas-Truppen sind nach Angaben aus der israelischen Armee gut organisiert, es gebe Uniformen, eine klare Rangordnung und Kommandostruktur. „Es ist eine Armee, die aber nicht als reguläre Armee gelten will, weil es dadurch schwieriger für uns ist, sie zu bekämpfen“, sagte der israelische Offizier.
Taktisch orientieren sich die Hamas-Kämpfer zunehmend an der libanesischen Hizbullah, die von Iran massiv unterstützt wird. Ausbilder aus Iran und von der Hizbullah aus dem Libanon sollen in den Gazastreifen gereist sein; Hamas-Militärs sollen zudem in Iran ausgebildet worden sein.
Nach einem Bericht der israelischen Zeitung „Jerusalem Post“ hat die Hamas den Gazastreifen in fünf Sektoren aufgeteilt, in denen jeweils eine Brigade stationiert sei – eine im Norden des Gazastreifens, eine im Inneren, eine in Gaza-Stadt und zwei im Süden. Jede Brigade hat demnach einen Kommandeur, dem mehrere Bataillone unterstehen.