Die Einschläge kommen immer näher. Was am Freitagnachmittag geschah, hatte die israelische Armee um jeden Preis verhindern wollen: Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete ging im Großraum Tel Aviv nieder, freilich ohne Schaden anzurichten.
Auch im Großraum Jerusalem ging eine Rakete auf unbewohntem Gelände nieder. Schon am Donnerstagabend war ein Geschoss aus Gaza unweit der Stadtgrenzen von Tel Aviv zwischen Holon und Rischon Lezion eingeschlagen. Angeblich stürzte eine zweite Rakete in der Gegend ins Meer.
Tel Aviv ist wichtigstes Ziel
Für den bewaffneten Arm der Hamas und die anderen islamistischen Terrorgruppen ist vor allem die Großstadt Tel Aviv zum wichtigsten Ziel geworden: Sie ist das Wirtschafts- und Finanzzentrum, in dem auch das Verteidigungsministerium und der Ben-Gurion-Flughafen liegen, die wichtigste Verbindung des kleinen Lands ins Ausland. Hamas und Islamischer Dschihad würden gerne - wie zuvor schon die libanesische Hizbullah-Miliz - den Konflikt ins Herz Israels tragen.
Die beiden palästinensischen Gruppen hatten mit iranischer Unterstützung in den vergangenen Jahren keine Mühen gescheut, sich mit Raketen zu versorgen, die Tel Aviv und sogar das noch weiter nördlich liegende Herzlija erreichen können. Deshalb gehörte es von Anfang an zu den wichtigsten Zielen der israelischen Militäraktion „Säule der Verteidigung“, diese Raketen mit größerer Reichweite und ihre Abschussvorrichtungen zu zerstören.
Schon kurz nachdem am Mittwochnachmittag in Gaza-Stadt Ahmed al Dschabari, der Militärführer der Hamas, getötet worden war, begann die israelische Armee, Raketendepots zu bombardieren; dieser gezielte Beschuss dauerte auch am Freitag an. Zunächst zeigte sich Verteidigungsminister Ehud Barak zufrieden mit den ersten Erfolgen. Doch Hamas und Islamischer Dschihad besitzen wahrscheinlich Hunderte weiter reichender Raketen, die sie im ganzen Gazastreifen versteckt haben - oft mitten in Wohnvierteln, neben Schulen und Moscheen, wie die israelische Armee mitteilte.
Da es relativ aufwendig ist und etwa 20 Minuten dauert, die Raketen einsatzbereit zu machen, bleibt den israelischen Soldaten zwar vor jedem Abschuss etwas Zeit. Der Himmel über Gaza sei in den vergangenen Tagen voll von Drohnen gewesen, die auf dem Boden jede Bewegung registrierten, berichteten Einwohner.
Startgewicht von einer Tonne
Die israelische Armee hat dabei vor allem zwei Raketentypen aus iranischer Produktion ins Visier genommen. Sie heißen Fadschr (in englischer Schreibweise Fajr), was sich mit Morgendämmerung übersetzen lässt. Besonders gefährlich ist die Fadschr-5 mit einer Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Die Rakete wurde angeblich in Iran mit Hilfe aus Nordkorea und China entwickelt.
Sie hat eine Länge von sechs Metern und ein Startgewicht von rund einer Tonne. Ihre Genauigkeit ist jedoch, wie bei Katjuscha- und Scud-Raketen, nicht allzu groß: Bei maximaler Reichweite kann das Ziel um bis zu einen Kilometer verfehlt werden. Die Fadschr-3 hat eine Reichweite von bis zu 45 Kilometern. Im letzten Libanon-Krieg setzte die libanesische Hizbullah-Miliz offenbar eine modifizierte Version der Fadschr-5 ein. Nach unbestätigten Berichten handelte es sich bei der am Donnerstag bei Rischon Lezion niedergegangenen Rakete auch um ein Geschoss dieses Typs.
Nach Einschätzung israelischer Sicherheitsfachleute hat Iran in den vergangenen Jahren Hamas und Islamischen Dschihad in größerem Umfang mit diesen Raketen und anderen Rüstungsgütern versorgt. Auf dem Seeweg wurden sie etwa von Iran nach Sudan gebracht. Dann ging es durch Ägypten, bis der Nachschub durch die mehreren hundert Schmuggeltunnel vom Sinai in den Gazastreifen gelangten.
Reichweite von 20 bis 40 Kilometern
Vor wenigen Wochen ereignete sich in einer Waffenfabrik in der sudanesischen Hauptstadt Khartum eine größere Explosion. Die sudanesische Regierung bezichtigte Israel, einen Luftangriff verübt zu haben. Zuvor waren mehrmals mutmaßliche Waffenkonvois in der sudanesischen Wüste aus der Luft beschossen worden.
Während der jüngsten Runde des Gaza-Konflikts richtete jedoch eine Grad-Rakete den bisher schlimmsten Schaden an. Sie schlug am Donnerstag in ein Wohnhaus in Kirijat Malachi ein, drei Israelis kamen ums Leben. Die ursprünglich in den sechziger Jahren in der Sowjetunion entwickelten und ebenfalls über Ägypten nach Gaza geschmuggelten Grad-Raketen haben mittlerweile eine Reichweite von 20 bis zu 40 Kilometern.
In diesem Radius rund um den Gazastreifen können die israelischen Einwohner seit Mittwoch kaum noch ihre Schutzräume verlassen. Nach Presseberichten wurde in den vergangenen Tagen zudem mindestens eine chinesische Rakete vom Typ WS-1E abgefeuert. Auch sie kann bis zu 40 Kilometer weit fliegen. Die kleineren Kassem-Raketen werden dagegen seit gut zehn Jahren im Gazastreifen im Eigenbau hergestellt. Sie haben eine Reichweite von weniger als zwanzig Kilometern und sind sehr ungenau. Tausende von ihnen wurden schon abgefeuert.
Neues Abwehrsystem „Eiserne Kuppel“
Über die meisten Raketen verfügen in Gaza die bewaffneten Arme der Hamas und des Islamischen Dschihad. Iran hatte zuletzt vor allem den radikaleren und kleineren Islamischen Dschihad unterstützt, nachdem die Hamas von Teheran abgerückt war. Den „Izzedin-al-Kassam-Brigaden“ der Hamas gehören nach palästinensischen Angaben bis zu 24000 Männer an.
Die „Al-Quds-Brigaden“ des Islamischen Dschihad sind kleiner und bestehen aus mehr als 6000 Mitgliedern. An den Raketenangriffen beteiligen sich auch die „Nasser-Salaheddin-Brigaden“ der Volkswiderstandskomitees sowie neue Gruppen, deren Mitglieder erst in jüngster Vergangenheit durch Schmuggeltunnel aus dem Sinai nach Gaza gekommen waren.
Sie fordern zunehmend die regierende Hamas-Organisation heraus: Sie griffen in der Vergangenheit immer wieder Israel an, obwohl die Hamas wollte, dass Ruhe herrscht. Viele Kämpfer dieser relativ kleinen Zellen werden dem globalen Dschihad zugerechnet, der islamistische Ziele verfolgt, die über den Kampf gegen Israel hinausgehen.
Das Arsenal aller dieser Gruppen hat jedoch im Vergleich zum Gaza-Krieg vor knapp vier Jahren an Gefährlichkeit verloren. Rund um den Gazastreifen sind vier Batterien des neuen israelischen Abwehrsystems „Eiserne Kuppel“ (Iron Dome) stationiert. Bis Freitag stoppten sie mehr als 130 aus Gaza abgeschossene Raketen.
Die „Kuppel“ wird nur aktiviert, wenn klar ist, dass ein Geschoss auf eine Stadt oder einen Armeestützpunkt zufliegt. In Sekundenschnelle berechnen Radar und Computer die Flugbahn. Abfangraketen zerstören den Angreifer in der Luft. Die Kosten sind jedoch immens. Anfänglich soll der Preis einer einzigen Abfangrakete bis zu 50000 Dollar betragen haben.
Politiker und Militärs geben zu, dass die eiserne Kuppel immer noch Löcher hat, wie der Treffer in Kirijat Malachi zeigte. Doch der Mantel wird dicker: Von diesem Samstag an wird eine fünfte Iron-Dome-Batterie an die israelische Armee übergeben. Sie ist angeblich effizienter als ihre Vorläufer.
Sie beschreiben die Entwicklung gut Herr Aschauer wenn man
Eingeschränktheit der Präliminarien akzep
franz feldmann (franzpatrick)
- 17.11.2012, 14:40 Uhr
Anders als sonst in Menschenköpfen malt sich in diesem Kopf
die Welt.
Wolfgang Krug (Undiplomat)
- 17.11.2012, 12:10 Uhr
und die Antiseminitkeule liegt immer bereit....
Peter Linder (neodonnar)
- 17.11.2012, 11:51 Uhr
Presse schaltet auf Krieg
Horst Ziegler (pacificatore)
- 17.11.2012, 09:24 Uhr
Ganz großes Kino!
Stephan Rehfeld (stephan.rehfeld)
- 17.11.2012, 09:23 Uhr