Home
http://www.faz.net/-gpf-74eok
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gaza-Konflikt Raketen gegen Raketen

Mit iranischer Hilfe erhielten die Islamisten Raketen, die Israel im Innersten treffen können. Dagegen soll der verbesserte Abwehrschild „Iron Dome“ Schutz bieten.

© F.A.Z. Die Fadschr-5 Rakete hat eine maximale Reichweite von 75 Kilometern

Die Einschläge kommen immer näher. Was am Freitagnachmittag geschah, hatte die israelische Armee um jeden Preis verhindern wollen: Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete ging im Großraum Tel Aviv nieder, freilich ohne Schaden anzurichten.

Hans-Christian Rößler Folgen:

Auch im Großraum Jerusalem ging eine Rakete auf unbewohntem Gelände nieder. Schon am Donnerstagabend war ein Geschoss aus Gaza unweit der Stadtgrenzen von Tel Aviv zwischen Holon und Rischon Lezion eingeschlagen. Angeblich stürzte eine zweite Rakete in der Gegend ins Meer.

Tel Aviv ist wichtigstes Ziel

Für den bewaffneten Arm der Hamas und die anderen islamistischen Terrorgruppen ist vor allem die Großstadt Tel Aviv zum wichtigsten Ziel geworden: Sie ist das Wirtschafts- und Finanzzentrum, in dem auch das Verteidigungsministerium und der Ben-Gurion-Flughafen liegen, die wichtigste Verbindung des kleinen Lands ins Ausland. Hamas und Islamischer Dschihad würden gerne - wie zuvor schon die libanesische Hizbullah-Miliz - den Konflikt ins Herz Israels tragen.

Die beiden palästinensischen Gruppen hatten mit iranischer Unterstützung in den vergangenen Jahren keine Mühen gescheut, sich mit Raketen zu versorgen, die Tel Aviv und sogar das noch weiter nördlich liegende Herzlija erreichen können. Deshalb gehörte es von Anfang an zu den wichtigsten Zielen der israelischen Militäraktion „Säule der Verteidigung“, diese Raketen mit größerer Reichweite und ihre Abschussvorrichtungen zu zerstören.

Angriffe auf Gaza Attacke auf Israel: Vier Raketen, abgefeuert aus dem Gaza-Streifen © AFP Bilderstrecke 

Schon kurz nachdem am Mittwochnachmittag in Gaza-Stadt Ahmed al Dschabari, der Militärführer der Hamas, getötet worden war, begann die israelische Armee, Raketendepots zu bombardieren; dieser gezielte Beschuss dauerte auch am Freitag an. Zunächst zeigte sich Verteidigungsminister Ehud Barak zufrieden mit den ersten Erfolgen. Doch Hamas und Islamischer Dschihad besitzen wahrscheinlich Hunderte weiter reichender Raketen, die sie im ganzen Gazastreifen versteckt haben - oft mitten in Wohnvierteln, neben Schulen und Moscheen, wie die israelische Armee mitteilte.

Da es relativ aufwendig ist und etwa 20 Minuten dauert, die Raketen einsatzbereit zu machen, bleibt den israelischen Soldaten zwar vor jedem Abschuss etwas Zeit. Der Himmel über Gaza sei in den vergangenen Tagen voll von Drohnen gewesen, die auf dem Boden jede Bewegung registrierten, berichteten Einwohner.

Startgewicht von einer Tonne

Die israelische Armee hat dabei vor allem zwei Raketentypen aus iranischer Produktion ins Visier genommen. Sie heißen Fadschr (in englischer Schreibweise Fajr), was sich mit Morgendämmerung übersetzen lässt. Besonders gefährlich ist die Fadschr-5 mit einer Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Die Rakete wurde angeblich in Iran mit Hilfe aus Nordkorea und China entwickelt.

Sie hat eine Länge von sechs Metern und ein Startgewicht von rund einer Tonne. Ihre Genauigkeit ist jedoch, wie bei Katjuscha- und Scud-Raketen, nicht allzu groß: Bei maximaler Reichweite kann das Ziel um bis zu einen Kilometer verfehlt werden. Die Fadschr-3 hat eine Reichweite von bis zu 45 Kilometern. Im letzten Libanon-Krieg setzte die libanesische Hizbullah-Miliz offenbar eine modifizierte Version der Fadschr-5 ein. Nach unbestätigten Berichten handelte es sich bei der am Donnerstag bei Rischon Lezion niedergegangenen Rakete auch um ein Geschoss dieses Typs.

Nach Einschätzung israelischer Sicherheitsfachleute hat Iran in den vergangenen Jahren Hamas und Islamischen Dschihad in größerem Umfang mit diesen Raketen und anderen Rüstungsgütern versorgt. Auf dem Seeweg wurden sie etwa von Iran nach Sudan gebracht. Dann ging es durch Ägypten, bis der Nachschub durch die mehreren hundert Schmuggeltunnel vom Sinai in den Gazastreifen gelangten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Brandanschlag Israel will härter gegen jüdische Terroristen vorgehen

Nach dem Tod eines Kindes beim Anschlag auf eine palästinensische Familie wird Kritik an den israelischen Sicherheitskräften laut: Terrorismus von Juden müsse ebenso effektiv bekämpft werden wie der von Palästinensern. Mehr Von Hans-Christian Rößler

02.08.2015, 17:12 Uhr | Politik
Ukraine Konflikt eskaliert vor Krisengipfel

Kurz vor dem Krisengipfel in Minsk sind die Kämpfe in der Ukraine erneut eskaliert. Die Stadt Kramatorsk wurde am Dienstag von Raketen beschossen. Sie liegt rund 50 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Mehr

11.02.2015, 09:18 Uhr | Politik
Israels Peschmerga-Kämpferin Heimkehr von der Front

Erst sah sie die Bilder aus dem Sindschar-Gebirge. Dann flog Gill Rosenberg eigens in den Nordirak, um gegen den IS zu kämpfen. In Israel wird die junge Frau nun als Heldin gefeiert. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

23.07.2015, 17:56 Uhr | Politik
Küste von Gaza Palästinenser bauen Boot aus hunderten Plastikflaschen

Auf der Suche nach einem Zeitvertreib haben sich fünf junge Palästinenser im von Israel abgeriegelten Gazastreifen mit gebrauchten Plastikflaschen etwas mehr Freiheit verschafft: Aus fast tausend grünen Flaschen haben sich die Männer ein vier Meter langes Boot gebaut, das vor der Küste von Gaza nun DIE Attraktion ist. Mehr

22.06.2015, 15:59 Uhr | Gesellschaft
Sperranlage in Israel Die neue Mauer steht im Orient

Im Jahre 1982 schrieb Peter Schneider in seinem Buch Der Mauerspringer über das geteilte Berlin. Jetzt führt ihn ein Besuch in Israel an einen Grenzwall, wie er ihn noch nie gesehen hat. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Peter Schneider

28.07.2015, 08:58 Uhr | Feuilleton

Veröffentlicht: 16.11.2012, 19:13 Uhr

In der Bananenrepublik

Von Reinhard Müller

Gut, dass viele sich jetzt daran erinnern, wie wichtig eine freie Presse für unser Gemeinwesen ist, und dafür kämpfen. Aber in einer Bananenrepublik ist dieser Kampf von vornherein vergebens. Mehr 16 169