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Gauck in Oradour : Versöhnliche Töne

„Gesten der Versöhnung“: Gauck, Hollande und Robert Hébras, einer der wenigen Überlebenden des Massakers in Oradour-sur-Glane Bild: AP

Gauck und Hollande haben eine der letzten Lücken in der Aufarbeitung der deutsch-französischen Geschichte geschlossen. Die versöhnlichen Gesten von Oradour können auch eine gewisse Gelassenheit in das deutsch-französische Verhältnis zurückbringen.

          Nie zuvor ist ein Bundeskanzler oder ein Bundespräsident an den Ort des schrecklichsten deutschen Kriegsverbrechens in Frankreich gereist, nach Oradour-sur-Glane. Präsident Gauck hat jetzt zusammen mit Staatspräsident Hollande eine der letzten Lücken der deutsch-französischen Geschichtsaufarbeitung geschlossen. Er hat Worte gefunden, die jenes Vertrauen stiften, das angesichts der von François Hollande beschriebenen „freundschaftlichen Spannungen“ zwischen Berlin und Paris manchmal zu fehlen scheint.

          Oradour schließt den Reigen aus mehr oder minder gelungenen Rückblicken, Tagungen und Gedenkveranstaltungen zum fünfzigsten Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages. Oradour bildet zugleich den Auftakt für einen aus deutscher Sicht nicht immer selbstverständlichen Erinnerungsmarathon, der für Präsident Hollande schon im Oktober mit den Feierlichkeiten zum siebzigsten Jahrestag der Befreiung Korsikas beginnt. 2014 soll aus französischer Sicht ganz im Zeichen des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs sowie der Wende im Zweiten Weltkrieg, der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944, stehen.

          Niemals vollkommen harmonisch

          Die kriegerische Geschichte hat für die europäische Einigung immer eine große, eine herausragende Rolle gespielt. Die Bedeutung der vom Kalender diktierten Rückbesinnung auf die Grundlagen der deutsch-französischen Partnerschaft sollte deshalb nicht unterschätzt werden. Sie bildet das Fundament einer niemals vollkommen harmonischen Beziehung, das auch dann nicht ins Wanken gerät, wenn Interessenkonflikte überwunden werden müssen.

          So könnten die versöhnlichen Töne von Oradour am Anfang einer erneuerten Kompromisskunst stehen, an der es im ersten Amts- und Lehrjahr Hollandes oft mangelte.

          Der Streit über das Reformtempo in Frankreich oder über die Notwendigkeit von Mindestlöhnen in Deutschland, kurz: über das richtige Wirtschafts- und Sozialmodell, wird nicht durch einen Tag voller Symbolkraft beigelegt werden. Aber die versöhnlichen Gesten können eine gewisse Gelassenheit in das deutsch-französische Verhältnis zurückbringen, dessen Stärke François Mitterrand einmal so beschrieb: „Wir lassen unsere Meinungsunterschiede nicht von anderen entscheiden.“

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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          Quelle: F.A.Z.

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