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Gastbeitrag : Warum ich nicht Charlie bin

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Ich kann lachen über die Abbildung Mohammeds, der sich die Frage stellt, warum so viele Idioten an ihn glauben, weil ich dies als eine Reaktion auf die Fanatiker von Al Qaida und des „Islamischen Staates“ verstehe. Aber lange Jahre lernte ich die Welt auch mit den Augen der Anderen zu sehen. Wäre ich Muslim, würde ich beim Anblick des Bildes im Schaufenster fragen: Ihr haltet uns Muslime wirklich für Dummköpfe? Wäre ich ein Muslim, von dem verlangt wird, er solle sich in die westliche Kultur integrieren, würde ich wohl fragen: Meint ihr damit die Kultur, welche die Veröffentlichung solcher Bilder als ihr unantastbares Symbol ansieht?

Wir erleben heutzutage eine Sternstunde der Geschichte, wo sich die meisten Muslime von den Terroristen distanzieren und mit uns im gleichen Boot sitzen wollen; mit den dem Islam zugefügten Verletzungen werfen wir sie aus dem Boot hinaus und lassen die Wellen sie dann in die Arme der Fanatiker treiben. Wenn sich die Karikaturisten also gegen die Al-Qaida-Fanatiker durch Lächerlichmachung des Begründers des Islam abgrenzen wollen, gleichen sie nicht jenen Demagogen, welche die Entstehung solcher Kampfgruppen dem Islam als solchem zur Last legen?

Intolerante Religion des Atheismus

Die Bezeichnung „radikaler Islam“ suggeriert dem religiös lässigen Westen die Vorstellung, die Terroristen seien Menschen, die ihre Religion allzu ernst nehmen. Wahr ist vielmehr das Gegenteil. In Wirklichkeit sind das zumeist Menschen, die aus dem Koran nur ein paar herausgerissene Zitate und nichts weiter kennen, von der islamischen Kultur und Theologie nicht die geringste Ahnung haben und die ethischen Gebote des Islam, wie zum Beispiel Alkohol- und Drogenkonsumverbot sowie das Töten Unschuldiger, völlig ignorieren. Bin Ladin wuchs viel mehr mit amerikanischen Actionfilmen als mit dem Koran auf. An der Wiege des heutigen Fanatismus steht nicht der Islam als Religion, sondern vielfache Probleme, das Gefühl der Entwurzelung, des Nichtaufgenommenseins durch die Umwelt, das Bedürfnis, die eigene Frustration durch Aggression zu kompensieren und den Feind zu enthüllen.

Wie im Nationalsozialismus und Kommunismus, in den Ideologien sowohl des Rassen- und Klassenhasses als auch in jener der Kultur- und Religionsfeindlichkeit ist der bourgeoise Westen das Ziel der Angriffe. Frankreich ist ein besonderes Beispiel der gegenwärtigen westlichen Kultur: Die Schüler dürfen nicht muslimisches Tuch, christliches Kreuz und jüdische Kippa tragen; das Vorhandensein christlicher Symbole in der Öffentlichkeit wird bis zu einer Selbstkastration eingeschränkt, damit „die Muslime nicht entrüstet würden“. Aber eine die Muslime entrüstende Zeitschrift wird als heiliges Symbol der französischen Kultur angesehen. Ist nicht das Prinzip der „Laizität“ allmählich zu einer intoleranten Religion des Atheismus geworden?

Für mich sind die „Helden unserer Kultur“ nicht die Journalisten der „Charlie Hebdo“, sondern vielmehr der junge Polizist Ahmed, der sein Leben für jene hingegeben hat, die seine Kultur verletzten.

Der Autor ist Professor an der Karlsuniversität Prag, Schriftsteller und Hochschulpfarrer.

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