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Gaddafi trifft Berlusconi Gaddafi lobt und brüskiert Italien

11.06.2009 ·  In Rom feiern Libyens Staatschef Gaddafi und Ministerpräsident Berlusconi ihre Freundschaft. Doch gleich zu Beginn brüskierte Gaddafi seinen Gastgeber.

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Der libysche Staatspräsident Gaddafi hält sich zu einem viertägigen Staatsbesuch in Italien auf. Im August vorigen Jahres hatte Ministerpräsident Berlusconi die frühere italienische Kolonie besucht; nun feiern beide Länder mit diesem Gegenbesuch den „Beginn einer neuen Geschichte“. Gaddafi pries seinen „alten Freund“ Berlusconi: „Ich bedanke mich für seine Entschlossenheit und den Mut zu der historischen Entscheidung, sich im Namen von ganz Italien für die diskriminierende Vergangenheit“ und das Leiden Libyens zu „entschuldigen“.

Gaddafis Reise wird von Protesten gegen libysche Menschenrechtsverletzungen begleitet. Der frühere „Revolutionsführer“ durfte nicht im Plenum des Senats seine Rede halten - obwohl PLO-Chef Arafat dies 1982 sogar mit Pistole am Bund getan hatte -, sondern nur in dem angrenzenden Amtssitz des Senatspräsidenten. Doch im Übrigen werden Gaddafi alle Ehren zuteil. Der Libyer schläft in einem für ihn errichteten Zelt im Schatten der barocken Villa Pamphili auf dem Gianicolo vor der Stadt. Wider das italienische Protokoll holte Berlusconi seinen „Freund“ am Flughafen Ciampino ab. Laut Zeitungsberichten hatte er befürchtet, Gaddafi könnte bei einer noch so kleinen Brüskierung abreisen. Stattdessen brüskierte Gaddafi seinen Gastgeber, als er in einer Phantasieuniform aus der Maschine stieg, auf deren rechter Brusttasche ein Schwarzweißfoto an Italiens Vergangenheit in Nordafrika erinnert: Es zeigt den Widerständler gegen die Besatzung, Omar al Muchtar, „den Löwen der Wüste“, wie er in Ketten vorgeführt wird. Später erschossen ihn italienische Soldaten. Berlusconi ließ sich nichts anmerken. Gaddafi kommentierte, er trage dieses Foto „wie ihr das Symbol von Christi Tod am Kreuz tragt“. Nach einem Gespräch mit Italiens Staatspräsident Napolitano sagte Gaddafi, in den Beziehungen beider Länder sei „die Seite der Vergangenheit umgeschlagen“ worden.

Italien lässt sich die neue Freundschaft etwas kosten: In den nächsten 20 Jahren sollen fünf Milliarden Dollar als Entschädigung nach Libyen fließen. Dafür soll zunächst eine Küstenstraße von Tunesien bis Ägypten gebaut werden. Es fließt aber auch libysches Geld in italienische Unternehmen wie Eni und Unicredit. Schließlich konnten sich Libyen und Italien auf eine gemeinsame Abschottung gegen Einwanderer einigen. Seit einigen Wochen patrouillieren Libyer und Italiener gemeinsam vor der Küste, auch hilft Italien beim Schutz der libyschen Südgrenze.

Für Berlusconi hat ein gelungener Besuch Gaddafis einen weiteren Wert: In der kommenden Woche wird der Ministerpräsident im Weißen Haus erwartet; nach Presseberichten hegt Präsident Obama wenig Verständnis für die Eskapaden Berlusconis. In der Zeitung „La Repubblica“ hieß es, dass es in Washington womöglich wohlwollend aufgenommen würde, wenn Berlusconi von einem von Terror und Gewalt „gezähmten Löwen“ berichten könnte.

Quelle: jöb.; F.A.Z. Video: Reuters
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Von Markus Bickel

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