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G8-Gipfel Online organisieren, offline demonstrieren

17.07.2001 ·  Die Globalisierungsgegner organisieren sich global: Das Internet ist ein wichtiges Hilfsmittel für den Protest.

Von Moritz Hartmann
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Die hochkarätig besetzten Konferenzen in diesem Sommer lassen die „Protest-Karawane“ quer durch Europa ziehen, von Göteborg im Norden bis nach Tarifa im Süden. Immerzu mit dem Ziel, während der Wirtschaftsgipfel, Klimakonferenzen und Meetings der Staatschefs für Aufsehen und Unruhe zu sorgen. Das „Gipfel-Hopping“ kann sich auch deshalb etablieren, weil mit dem Internet ein perfektes Instrument für die globale Kommunikation der führungslosen Szene gefunden ist. Das Netz dient dabei nicht nur der Verbreitung von Inhalten, es ist zugleich Ort einer virtuellen Gemeinschaft, die weit über die lokale Initiativen hinausreicht. Internationale Barrieren zwischen den verschiedenen Bewegungen fallen: Die Globalisierung der Globalisierungsgegner funktioniert über das Netz.

Digitale Plätze „virtueller Mobilmachung“ sind etwa die Online-Angebote von Protest.net und Indymedia.org, die sich als interne Kommunikatoren und Teile des weltweiten Netzwerkes im Widerstand gegen eine „kapitalistische Globalisierung“ verstehen. Sie wollen den Globalisierungsgegnern ein Forum geben, in dem sie sich organisieren und miteinander diskutieren können. Die Demonstrationstermine werden aufgelistet, Mitfahrgelegenheiten vermittelt, aktuelle Berichte von den Protesten veröffentlicht.

Online wird auch „demonstriert“

Doch das Internet ist mehr als Organisationsplattform für Proteste, die außerhalb des Netzes stattfinden. Politisch motivierter Widerstand findet auch virtuell statt. Letztes bekanntes Beispiel war die Online-Demonstration gegen die Seiten der Lufthansa im Juni. Im Rahmen der Kampagne „Deportation class“, die sich gegen die Beteiligung der Fluggesellschaft an Abschiebungen richtet, sollte mit der Netz-Demonstration während der Lufthansa-Hauptversammlung ein Zeichen gesetzt werden.

Zwar konnte der Protest in Form eines Virtuellen Sit-Ins nicht die angestrebte Wirkung erzielen - den Server der Lufthansa für eine gewisse Zeit vor unlösbare Aufgaben zu stellen - doch zeigte die Kampagne auf, welches Potenzial in derartigen internet-basierten Protestformen liegt: Die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit war enorm.

Als weiteres Beispiel in der noch jungen Geschichte des elektronischen Protestes gilt die „Besetzung“ mexikanischer Regierungs-Webseiten bei virtuellen Sit-ins. Besonders spektakulär war auch der Davos-Hack, bei dem Netzaktivisten interne Datenbanken des Weltwirtschaftsforums offen legen konnten - etwa mit den Kreditkartennummern hochkarätiger Gäste.

Scharfe Grenzkontrollen

In Genua und bei der Klimakonferenz in Bonn werden sich die Proteste ganz real darstellen, auch wenn sie virtuell mit organisiert und begleitet werden. Krawalle will Italien vermeiden. Der italienische Botschafter in Deutschland, Silvio Fagiolo, sagte: „Italien setzt auf Dialog“. Die Gipfelgegner würden mehr Raum für ihre Protestkundgebungen bekommen, versprach der Diplomat.

„Krawall-Touristen“ allerdings will Italien möglichst schon an der Grenze stoppen. Seit Sonnabend kontrollieren die italienischen Beamten alle Reisenden an den Landesgrenzen, Häfen und Flughäfen. Vielleicht lassen sich Aktivisten auf ihrer sommerlichen Protest-Reise durch Europa aber auch von dem Urteil eines schwedischen Gerichts abschrecken, dass ein junger Demonstrant für seine Auseinandersetzung mit der Polizei in Göteborg akzeptieren muss: sechs Monate Freiheitsstrafe und somit vorerst keine Proteste.

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