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G-8-Protest Nacktbader und Clowns

06.06.2007 ·  Laut Gerüchten wollten als Clowns verkleidete Demonstranten die Polizei mit Chemikalien besprühen. Doch tatsächlich regnete es nur Seifenblasen. Die G-8-Gegner vom Camp Wichmannsdorf zeigen, dass Proteste auch friedlich sein können.

Von Philip Eppelsheim, Bad Doberan
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Kurz vor Beginn des G-8-Gipfels in Heiligendamm haben die Demonstranten in Camp Wichmannsdorf und die Polizeikräfte am Ort gezeigt, dass Proteste auch friedlich sein können und dass es nicht zu Szenen wie in Rostock kommen muss. Der Dienstag und auch die Nacht auf Mittwoch verliefen ruhig. Im Camp Reddelich entließen die Züge scharenweise neue Protestler - bepackt mit Schlafsack und Isomatte. Die G-8-Gegner bereiteten sich auf den kommenden Tag vor. Auch die Ankunft des amerikanischen Präsidenten George W. Bush in Deutschland hatte hier nicht für Aufregung gesorgt. Von der Öffentlichkeit abgeschirmt war er auf dem Flughafen Rostock-Laage gelandet und sogleich mit dem Hubschrauber nach Heiligendamm weitergeflogen.

Im abgelegenen Camp Wichmannsdorf bestimmten letzte Vorbereitungen und Blockadeübungen den Tag vor Gipfelbeginn - wie etwa die sogenannte Fünf-Finger-Technik. Dabei verteilen sich die Demonstranten im Feld, wie die fünf Finger einer gespreizten Hand. Die Stimmung war friedlich, in den Camps herrschte Ferienatmosphäre, doch war sie vermischt mit Anspannung, was der nächste Tag bringen wird.

Nur ein wenig Gerangel

Pläne wie eine Mahnwache am Zaun wurden wegen strenger Auflagen gestoppt, so dass eine Demonstration der Camper von Wichmannsdorf die einzige nennenswerte Aktion rund um Heiligendamm darstellte. Am Nachmittag wurde sie beschlossen. Einen Feldweg hinab sollte es zum vier Kilometer entfernten Kühlungsborn gehen, zum Medienzentrum und zur Strandpromenade. Und wer da loszog, das waren keine Autonomen. Es waren bunt gekleidete Clowns, die „Rebel Clown Army“, mit alten Uniformmänteln, Schwimmflügeln an den Oberarmen, grellen Perücken, Klatschmohn in der Hand und Sprüchen wie „komm wir clown den Castor“. Es waren Männer, gekleidet in Frauenröcke, mit Besen in der Hand. Und es waren Tänzer, „denkende Tänzer wie sich einer bezeichnete, und Musikanten mit Didgeridoos.

Am Ende des Feldweges war erst einmal Schluss, die nicht genehmigte Demonstration wurde von der Polizei gestoppt. Eine Situation, in der es leicht zu Unmut hätte kommen können. Doch sowohl Polizei als auch die rund 250 Demonstranten bewahrten Ruhe. Bis auf ein wenig Gedrücke und Gerangel geschah nichts. Die Polizei informierte, Anwohner versorgten die Demonstranten mit Wasser, und die Clowns verwandelten die Szene in ihre eigene Zirkusmanege.

„Hach, ich bin die Eleonore. Wo sind denn die schönen jungen Männer“, säuselte da ein stämmiger bartstoppeliger Mann, symbolisch wurde ein Stein an die Beamten übergeben, die Clowns sprangen wie Affen vor den Beamten hin und her, übergaben den Klatschmohn an die Polizisten und versuchten über die Wiesen hopsend, die Polizei zu narren und lächerlich zu machen. Gaben ihnen Luftküsschen, knieten vor ihnen nieder oder standen still und stramm. Und die Polizisten gaben Anweisungen wie „Bitte leisten Sie keinen Widerstand“.

Nur Seifenblasen

Doch die Angst war da, gab es doch Gerüchte, dass die Clowns Polizisten mit Chemikalien besprühen würden. „Diese Clowns verstehen keinen Spaß“ hatte eine Agentur getitelt. Und die Polizeibeamten reagierten dementsprechend empfindlich auf Pustefix-Dosen und Wasserpistolen. Doch tatsächlich regnete es wohl nur Seifenblasen.

Nach zwei Stunden wurde den Demonstranten der Weg freigegeben. Es folgten die Abschlusskundgebung am Strand von Kühlungsborn und ein nackter Protest: 25 Protestler warfen sich in die Wellen, die anderen feierten am Strand. Verbale Provokationen blieben zwar nicht aus, doch das Positive überwog beim „Aktionstag gegen Militarismus.“ Und so wird es hoffentlich in den kommenden Tagen bleiben.

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Jahrgang 1981, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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