09.07.2009 · Die Klimapolitik ist auf dem Gipfeltreffen der G 8 in L'Aquila mehr als ein Placebo für die Weltöffentlichkeit. Obama wirkt dabei wie ein Katalysator. Wie weit könnte die Welt heute sein, wenn Bush nicht so störrisch gewesen wäre?
Von Andreas MihmWenn die drängenden Fragen der Weltwirtschaft und der Finanzmarktkontrolle schon nicht auf dem Gipfeltreffen der G 8 in L'Aquila beantwortet werden, sondern erst im Herbst auf einem Weltfinanzgipfel, liegt der Verdacht nahe, die Staats- und Regierungschefs wollten der Weltöffentlichkeit in Ermangelung konkreter Ergebnisse ein gern genommenes Placebo verordnen: die Klimapolitik.
Tatsächlich kann man das jetzt klimapolitisch Erreichte kritisieren: als unzulänglich, als nicht ambitioniert genug, als zu spät. Schließlich haben sich die Schwellenländer nicht in konkreten Zahlen darauf festlegen lassen, um wie viel sie den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid vermindern wollen. Dabei geht es bei Ländern wie China und Indien, deren Wirtschaft auch in der Krise wächst, zunächst um eine Begrenzung des jährlichen Zuwachses beim Kohlendioxidausstoß.
Es wäre aber falsch und unfair, die Weigerung der Schwellenländer, sich jetzt auf konkrete Zahlen einzulassen, als Beleg für ein neuerliches Scheitern der internationalen Klimapolitik auszugeben. Denn die Festlegungen, auf die sich Industriestaaten und Schwellenländer geeinigt haben, sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Klimagipfel der Vereinten Nationen im Dezember in Kopenhagen. Von einem Scheitern kann erst gesprochen werden, wenn Länder wie China und Indien sich auch dort verweigern sollten.
Die Industriestaaten hingegen sind weiter in Vorleistung gegangen. Hier wirkt der neue amerikanische Präsident wie ein Katalysator. Konnte sein Vorgänger Bush vor zwei Jahren in Heiligendamm nur mühsam dazu überredet werden, „zu erwägen“, den Kohlendioxidausstoß bis Mitte des Jahrhunderts zu halbieren, so verpflichtet sich Obama nun gemeinsam mit den anderen Industriestaaten, ihren Anteil an den Kohlendioxidemissionen bis 2050 um „80 Prozent oder mehr“ zu senken.
Wie weit könnte die Welt heute sein, wenn Bush nicht so störrisch gewesen wäre? Möglichst schnell soll nun der Anstieg der Emissionen unterbrochen werden, mittelfristige Ziele sollen sicherstellen, dass die langfristigen Vorgaben auch erfüllt werden. Klimapolitik ist auch deshalb so schwierig, weil die, die heute dafür bezahlen müssen, die Früchte ihrer Mühen nicht mehr ernten werden. Vor diesem Hintergrund sind die Klimabeschlüsse von L'Aquila ein Erfolg.
Was steigt weiterhin?
Burghard Schmanck (Schmanck)
- 09.07.2009, 13:03 Uhr
Klima-Katalysator
Paul Franklin (PaulSilas)
- 09.07.2009, 15:55 Uhr
Unkritisch
Matthias Hühn (matthiashuehn)
- 09.07.2009, 16:14 Uhr
Ja, er ist ein Klima-Katalysator und viele Andere auch
Josef Bujtor (Mramorak)
- 10.07.2009, 12:00 Uhr