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Obama in Krün : Welcome dahoam

„Upper Bavarian civilisation“: Bevor der Gipfel begann hat Präsident Barack Obama mit den Bewohnern des bayerischen Dörfchens Krün gefrühstückt. Bild: Helmut Fricke

Mit Dirndl, Gamsbart und Alphörnern: Dem amerikanischen Präsidenten wird zum G-7-Gipfel die bayerische Folklore-Show geboten. Die Bilder sollen Geschlossenheit zwischen Obama und Merkel zeigen.

          Der Kramer-Alois ist an diesem Sonntag Alexander Dobrindts bester Freund. Der Landwirt aus Krün gehört zu jenen auserwählten Bürgern des Gipfelortes, die Barack Obama auf dem Rathausplatz ganz nah kommen dürfen. Sogar näher, als der Kramer-Alois gedacht hätte.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Ortsobmann der CSU schüttelt dem amerikanischen Präsidenten die Hand, wie so viele Trachtler, Gebirgsschützen und Alphornbläser an diesem Morgen. Und plötzlich – so recht weiß er nicht, wie er zu der Ehre kommt – sitzt er neben ihm auf der Bierbank: vis-à-vis der Kanzlerin und ihres Gatten, für eine Viertelstunde.

          Wer nun gedacht hätte, der Kramer-Alois gehöre einfach zur oberbayerischen Staffage auf dem Rathausplatz zwischen Wetterstein- und Karwendelgebirge mit Dirndln, Lederhosen und Gamsbärten, der täuscht sich gewaltig. Bei alkoholfreiem Weißbier, Leberkäs und Brez’n – Obama schmeckt es sichtlich – tauschen die beiden sich aus über die Probleme der Wirtschaft im ländlichen Raum, über die unterschiedlichen Trachtenarten und auch über die heimischen Speisen und die Besonderheiten, die mit ihrem Verzehr verbunden sind.

          Ein Dankeschön auf die Schulter

          Man ahnt es schon, hier waren sehr gute Englischkenntnisse gefragt. Als Obama sich etwa nach der weißen Bluse mit den filigranen Stickereien einer ihm schräg gegenübersitzenden Dame erkundigt, erläutert ihm der Kramer-Alois in fließendem Englisch, dass dies eine besondere Tracht sei, die Kirchentracht nämlich, die nur verheiratete Frauen tragen dürften – und dies auch nicht alle Tage, sondern sonst nur an Erntedank und an, ja, ähm, wie heißt denn nur „Fronleichnam“ auf Englisch? Der Präsident ruft die deutsche Übersetzerin herbei, die sogleich pariert und als Dankeschön ein Schulterklopfen erhält: „Corpus Christi“.

          Nicht überliefert ist, ob dem Gast aus Amerika auch das Zuzeln erklärt wurde, denn das kunstfertige Aussaugen des Wurstdarms wird Obama an diesem Vormittag nicht vorgeführt. Das hat nichts damit zu tun, dass bei Auslandsreisen das „internationale Küchenregime“ herrscht, das dafür Sorge trägt, dass westliche Staatsgäste in fernen Ländern keine Schafshoden und ähnliche Delikatessen kosten müssen.

          Der Grund ist schlicht, dass Preußen nicht zuzeln können. Joachim Sauer, der Gatte der Kanzlerin, hat sich als einziger für Weißwürste entschieden – und benutzt doch tatsächlich Messer und Gabel! Was wissen die in Berlin schon von den rechtschaffenen Menschen von Krün, ihren Gebräuchen und ihren Problemen?

          Upper Bavarian civilisation

          Der Kramer-Alois hat während seines Studiums der Agrarökonomie eine Zeitlang auf einer Milchvieh-Farm in Vermont gearbeitet. Und genau deshalb hat er Alexander Dobrindt, der an diesem Tag Geburtstag feiert, das schönste Geschenk gemacht – einfach dadurch, dass er so ist, wie er ist. Er wisse ja, sagt der Kramer-Alois vor der Begegnung mit Obama mit Blick auf die Demonstranten, dass nicht alle für den Gipfel seien.

          Doch sei es auch nicht so, dass die hier versammelten Honoratioren alles ganz unkritisch sähen. Zum Beispiel TTIP, das Handelsabkommen: „Wir sind doch die Vertreter der Regionen, wir wollen auch nicht, dass alles Individuelle im globalen Handel aufgeht.“ Der Bundesverkehrsminister und Direktkandidat des örtlichen Wahlkreises wird später stolz verkünden, die Leute hier wüssten eben genau Bescheid über die Welt.

          So verkörpert der Kramer-Alois das, was Angela Merkel zuvor in ihrem Lob auf bayerische Kultur, die „Upper Bavarian civilisation“, meinte, als sie davon sprach, Tradition und Moderne seien hier eng miteinander verbunden. Der ganze Ort ist auf den Beinen und ganz angetan davon, dass der amerikanische Präsident auf seinem Weg nach Elmau hier Halt gemacht hat. Jedenfalls diejenigen, die auf den abgesperrten Platz kommen durften.

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