25.09.2009 · Auch wenn die G 20 ins Zentrum globalen „Wirtschaftsregierens“ rückt, muss dem Klub der G 8 nicht gleich die Grabrede gehalten werden. Offenkundig verspricht der in Pittsburgh sichtbare Institutionalisierungsprozess aber auch mehr Erfolg dabei, die „neue Welt“ abzubilden, als der UN-Sicherheitsrat.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerWenn sich Staats- und Regierungschefs aus mehr als zwanzig Ländern dreimal treffen, um Lehren aus der Weltfinanzkrise zu ziehen, dann ist zweierlei festzustellen, auch wenn es banal klingt: Sie messen diesem Format offenkundig Bedeutung und Handlungsfähigkeit zu; und zweitens wird es zu einer mehr oder weniger festen Institution. Insofern überrascht die Ankündigung aus Pittsburgh nicht, dass die G 20 fortan eine dauerhafte Einrichtung internationaler Wirtschaftszusammenarbeit werden soll. Man muss sie deshalb nicht gleich zur Welt(wirtschafts)regierung ausrufen, worüber man sich je nach Standpunkt aufregen oder freuen kann. Klar ist jedoch, dass die Veränderungen der weltwirtschaftlichen Gewichte diese Entwicklung nahelegten, wenn nicht unabweisbar machten.
Denn die Aufwertung der G 20 als Forum von Industrie- und Schwellenländern bedeutet vor allem die Anerkennung des wirtschaftlichen Aufstiegs Asiens und damit der relativen Verschiebung wirtschaftlicher Macht. Für das Management von Weltwirtschaft und -finanzen ist China im Urteil wichtiger Akteure unerlässlich. Die Art und Weise, wie die in der G 8 verbundenen westlichen Industrieländer (und Russland) den Kontakt zu den Aufsteigern auszuweiten suchten, war von begrenztem Wert, auch, aber nicht nur des Prestiges wegen.
Keine Grabrede für die G 8
Wenn die G 20 ins Zentrum globalen „Wirtschaftsregierens“ rückt, stellt sich deshalb zum einen die Frage nach der Zukunft von G 8. Diesem Klub braucht nicht die Grabrede gehalten zu werden; auch er wird eine Funktion behalten, sei es - entgegen der Gründungsbestimmung - als politisches Koordinationsformat, sei es zur Vorabstimmung. Das wäre nur natürlich; denn wenn immer mehr Länder mitsprechen, wächst die Neigung zu Untergruppen. Es dürfte übrigens schon bald ein Lenkungsausschuss gefordert werden. Die Europäer sollten sich rechtzeitig in Stellung bringen, damit das dann keine rein amerikanisch-chinesische Angelegenheit wird.
Die zweite Frage betrifft das Verhältnis der G 20 zum UN-Sicherheitsrat. Der ist zwar völkerrechtlich zentral, hat aber an Einfluss eingebüßt; weil zudem seine Repräsentativität umstritten ist, streben interessierte Länder dessen Reform an. Offenkundig hat der eher spontane Institutionalisierungsprozess der G 20 mehr Erfolg dabei, die „neue Welt“ abzubilden, als der Sicherheitsrat. Für seine Stellung wird das nicht ohne Belang bleiben.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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