08.02.2012 · Die Temperatur im havarierten Atomkraftwerk Fukushima steigt wieder an. In Reaktor 2 sei sie zuletzt um 20 Grad auf mehr als 70 Grad gestiegen. Kritiker werfen der Regierung vor, zu früh von einer „Kaltabschaltung“ gesprochen zu haben.
Von Carsten Germis, TokioIn Japan wachsen die Zweifel, ob die havarierten Atomreaktoren in Fukushima wirklich in einem stabilen Zustand der „kalten Abschaltung“ sind, wie die Regierung seit Dezember behauptet. Die Betreibergesellschaft des Kraftwerks, die Tokio Electric Power (Tepco), gab am Dienstag zu, dass die Temperatur am Boden des Druckbehälters von Reaktor 2 in den vergangenen Tagen wieder um 20 Grad auf mehr als 70 Grad gestiegen ist.
Tepco reagierte darauf, indem Reaktor 2 jetzt mit mehr Wasser gekühlt wird. Statt 10,5 Tonnen würden jetzt stündlich 13,5 Tonnen Wasser eingeleitet. Tepco-Sprecher Matsumoto sagte, auch Reaktor 2 sei aber weiter stabil, da die Temperaturen ja nicht kontinuierlich weiter stiegen. In den Reaktoren 1 bis 3 in Fukushima war es nach dem Tsunami vom 11. März zur Kernschmelze gekommen.
Der neue Zwischenfall hat die Kritik wieder aufleben lassen, die Regierung habe viel zu früh von „kalter Abschaltung“ gesprochen. Das sagt zum Beispiel Tetsuo Ito vom Atomforschungszentrum der Universität Kinki. Es könne immer wieder zu vergleichbaren Anstiegen in der Temperatur kommen, denn niemand wisse, wie es um die geschmolzenen Kernbrennstäbe wirklich stehe. Tepco gerate zudem in ein immer größeres Dilemma, je mehr Wasser zur Kühlung eingeleitet wird. Schon jetzt seien wohl 95.000 Kubikmeter kontaminiertes Wasser - die Menge von 38 Schwimmbecken mit Olympiastandard - im Untergeschoss des Atomkraftwerks.
Ende vergangener Woche waren die Atomreaktoren wieder in den Schlagzeilen gewesen, nachdem dort wieder Radioaktivität ausgetreten war. Tepco gab damals zu, dass es an der Wasseraufarbeitungsanlage ein Leck gegeben habe, durch das so viel Betastrahlung austrat, dass es die Strahlenkrankheit auslösen könnte. Verletzt wurde nach Angaben des Unternehmens niemand.
Neue Umfragen haben unterdessen gezeigt, dass das Vertrauen der Japaner in ihre Regierung nach der Atomkatastrophe eingebrochen ist. Nur noch 25 Prozent der Befragten vertrauten dem, was die Regierung sagt, teilte das Forschungsinstitut Edelman in Tokio mit. Bei der letzten Untersuchung seien es noch 51 Prozent gewesen. Das sei der stärkste Einbruch, der von Edelman je gemessen worden sei, hieß es.
japaner
nikolaus hesse (firenzass)
- 08.02.2012, 15:04 Uhr
Theater. "Kritiker werfen vor..."
Klaus Letis (odysseus_8)
- 08.02.2012, 13:13 Uhr
Carsten Germis Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.
Jüngste Beiträge