http://www.faz.net/-gpf-756ni
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.12.2012, 15:20 Uhr

Früherer Verteidigungsminister SPD-Politiker Peter Struck ist tot

Der frühere Verteidigungsminister und SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck ist tot. Er starb im Alter von 69 Jahren nach einem schweren Herzinfarkt in Berlin. Strucks Tod löste parteiübergreifend Bestürzung aus.

© ddp Peter Struck (1943-2012)

Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck ist tot. Der SPD-Politiker starb am Mittwoch im Alter von 69 Jahren nach einem Herzinfarkt in einem Berliner Krankenhaus, wie ein Sprecher der Familie bestätigte. Dort war er am Vortag eingeliefert worden. Struck war erst in der vergangenen Woche als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden.

Der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag hatte schon vor einigen Jahren einen Herzinfarkt sowie einen Schlaganfall erlitten. Davon hatte er sich weitgehend wieder erholt.

Der studierte Jurist hatte sich vor allem mit seinem Einsatz für die Bundeswehr einen Namen gemacht. In Erinnerung bleibt sein Satz aus dem Jahr 2002: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt.“ 1980 zog der Niedersachse erstmals in den Bundestag ein, wo er 29 Jahre lang seinen Wahlkreis Celle/Uelzen vertrat. Von 1990 bis 1998 organisierte Struck als Parlamentarischer Geschäftsführer die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion, die er anschließenden als Fraktionschef vier Jahre lang führte.

Struck and Muentefering of the SPD arrives for a party executive meeting in Berlin Architekt im Machtzirkel der SPD: Peter Struck 2009 mit dem damaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering in Berlin © REUTERS Bilderstrecke 

2002 übernahm er das Verteidigungsministerium vom entlassenen Ressortchef Rudolf Scharping. Im Oktober 2005 musste der SPD-Politiker aus Gründen der Koalitionsstatik seinen Platz für den Christdemokraten Franz Josef Jung räumen und wurde erneut Fraktionschef der Sozialdemokraten im Budnestag. 2009 verzichtete Struck auf eine abermalige Kandidatur und wurde 2010 Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Struck wäre am 24. Januar 70 Jahre alt geworden.

„Unverwechselbarer Charakter“

Die Nachricht vom Tode Strucks löste parteiübergreifend Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte ihn einen bedeutenden Parlamentarier und großen Sozialdemokraten. Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich erschüttert. „Mit ihm verlieren wir einen großen Sozialdemokraten aus unseren Reihen“, erklärte er. Gabriel erinnerte daran, dass Struck erst am vergangenen Montag zum zweiten Mal zum Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung gewählt worden war. „Umso fassungsloser macht uns sein plötzlicher und völlig unerwarteter Tod. Wir werden ihn vermissen.“

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erklärte, mit Struck verliere die SPD eine der prägenden Gestalten der letzten Jahrzehnte. In seinen Ämtern als Verteidigungsminister und Fraktionsvorsitzender habe er viele Jahre sozialdemokratische Politik gestaltet und vertreten. „Er war ein unverwechselbarer Charakter auf der Bühne der Politik, über die Parteigrenzen hinweg geschätzt und in der Öffentlichkeit als authentische Persönlichkeit wahrgenommen.“

„Peter Struck hat bleibende Spuren hinterlassen“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wir verlieren nicht nur einen großen Politiker, einen, der für viele Menschen im Land ein Vorbild war. Wir verlieren einen Freund, einen engen Weggefährten, einen Mann voller Herzenswärme, Humor und Lebensklugheit.“ Weiter erklärte Steinmeier: „Die Menschen mochten ihn für seine Offenheit, Geradlinigkeit und für seine klaren Ansagen.“ Peter Struck habe auch als Verteidigungsminister bleibende Spuren hinterlassen, erklärte Steinmeier. „Unter Soldatinnen und Soldaten wird bis heute nur voller Respekt von ihm gesprochen.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte: „Peter Struck gehörte zu den markanten Persönlichkeiten in unserer Partei, er war ein gestandener Sozialdemokrat im besten Sinne. Er wird eine schmerzhafte Lücke hinterlassen.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach den Anschlägen Wie gut ist Deutschland gegen den Terror gerüstet?

Nach den Anschlägen in Bayern wird über eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze diskutiert. Auch der Einsatz der Bundeswehr im Inneren steht zur Debatte. Dabei ist vieles jetzt schon möglich, um Terror zu bekämpfen. Eine Analyse. Mehr Von Reinhard Müller

28.07.2016, 15:41 Uhr | Politik
Walk of fame Michael Keaton hat seinen Stern

Der amerikanische Schauspieler Michael Keaton hat eine eigene Würdigung auf dem Walk of Fame in Los Angeles erhalten. Sein Name prangt nun innerhalb eines Sterns auf Hollywoods berühmtester Straße. Mehr

29.07.2016, 10:31 Uhr | Gesellschaft
Empörung über Erdogan Widerstand gegen türkische Gülen-Ermittlungsersuche

Die Forderung türkischer Regierungsvertreter nach einem Vorgehen gegen Gülen-Anhänger stößt auf Empörung bei deutschen Politikern. Und in Köln wächst die Sorge vor Krawallen bei der geplanten Demo von Erdogan-Anhängern. Mehr

29.07.2016, 13:04 Uhr | Politik
Afrikanisches Schutzgebiet Entzückendes Baby-Nashorn geht spazieren

Das Baby-Nashorn Warren wird in einem südafrikanischen Schutzgebiet großgezogen und hört auf seinen Namen. Das Jungtier wurde kurz nach der Geburt von seiner Mutter verlassen. Mehr

28.07.2016, 10:51 Uhr | Gesellschaft
Frankfurter Flughafen Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Am Frankfurter Flughafen leben zwischen Start- und Landebahnen erstaunlich viele Tiere. Förster gibt es nicht mehr, dafür ein Wildlife-Control-Team. Es praktiziert umgekehrten Naturschutz. Mehr Von Helmut Schwan

29.07.2016, 14:20 Uhr | Rhein-Main

Söder persönlich

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Kanzlerin bekräftigt „Wir schaffen das“ und die CSU bleibt leise? Nein, denn jetzt hat sich Markus Söder zu Wort gemeldet. Fragt sich nur, was er denn von der Kanzlerin erwartet hatte. Mehr 36 30

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“