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Dieter Eckart ist tot : Baumeister der Zeitung

Dieter Eckart 1996 in seiner Zeit als Nachrichtenchef der F.A.Z. Bild: Wolfgang Eilmes

Er war ein Teil der F.A.Z. und die F.A.Z. von ihm. Zum Tode des früheren Herausgebers Dieter Eckart.

          Noch am Sonntag klang er wie immer. „Sobald es wärmer wird, gehen wir wieder in die Gartenwirtschaft“, sagte Dieter Eckart am Telefon. „Gaddewertschaft“, sagte er, der in Darmstadt zur Welt kam, in Michelstadt im Odenwald aufwuchs und den „Datterich“, Niebergalls Darmstädter Schelmenstück, so gut wie auswendig kannte. Doch die Krankheit, die kurz vor Weihnachten festgestellt worden war, ging über seine Kräfte. In der Nacht zum Donnerstag ist Dieter Eckart gestorben.

          Etwas anderes als Journalist zu werden kam für ihn nie in Frage. Schon während seines Studiums der Anglistik, Germanistik und der Politischen Wissenschaften in Frankfurt, Oxford und Newcastle, das er 1964 mit dem Staatsexamen abschloss, schrieb er für die „Offenbach-Post“. Anfang 1966 kam er zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 1973 wurde er verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten. Von 2001 bis zur Pensionierung im Frühjahr 2005 war er einer der Herausgeber.

          In seinen fast vierzig Zeitungsjahren wurde Eckart ganz selten richtig laut. Das brauchte er auch gar nicht, denn zu seinen Gaben gehörte es, eher anzuregen als anzuordnen. Mit einem knappen, aber freundlichen „Machen Sie“ hat er Generationen von Redakteuren und Korrespondenten dieser Zeitung ermuntert, stets im Vertrauen auf ihr Können und Wissen. Nur wer ihn nicht gut kannte, mochte seine stille Form der Führung als Gewährenlassen missverstehen. Er wusste genau, was die Zeitung brauchte, und wie an unsichtbaren Fäden lenkte er die Redaktion dorthin. Zwar hatte er, wie er sagte, „keine Theorie des Zeitungsmachens“, aber er hatte eine genaue Vorstellung davon, wie eine gute Zeitung beschaffen sei, und er hatte ein feines Gespür dafür, was der Gang der Zeit an Veränderungen verlangt. Kopfloses Herumbasteln, nur um Moden nachzulaufen, lehnte er ab, durchdachte Weiterentwicklungen fanden in ihm jederzeit einen Fürsprecher.

          Shakespeare zitierte er so mühelos auf Englisch wie den „Datterich“ auf Hessisch

          In dieser Zeitung, die keinen Chefredakteur hat und schon ihre Volontäre gegen Allüren impft, war Eckart länger als ein Vierteljahrhundert der unumschränkte Nachrichtenchef. Die Eigenschaft professioneller Uneitelkeit, die er an anderen am meisten schätzte, besaß er selbst in hohem Maße. „Verantwortlich für politische Nachrichten“ zu sein heißt, eigene Autorenambitionen zurückzustellen und der Zeitung als Baumeister zu dienen. Das wusste er, daran hielt er sich, obwohl er gern schrieb und ein guter und geistreicher Schreiber war. Nicht von ungefähr kam sein besonderes Interesse an England, wohin er 1968 eine Weile als Korrespondent entsandt wurde. Jene typisch angelsächsische Haltung aus Offenheit, Sportsgeist und Selbstironie war auch ihm eigen, und seinen Shakespeare zitierte er so mühelos auf Englisch wie den „Datterich“ auf Hessisch.

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