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Front National : Mit Putin die christliche Zivilisation retten

„Vollkommene Übereinstimmung“: Marine Le Pens Projekte sind in Moskau gern gehört Bild: REUTERS

„Wir haben so viel gemeinsam“: Die Nähe zu Russland ist eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele Marine Le Pens Europawahlkampf. Die französische Front National träumt von einer Achse „Paris-Berlin-Moskau“. Dahinter stecken auch handfeste wirtschaftliche Interessen.

          Marine Le Pen lässt sich für Fernsehgespräche am liebsten vor einem Bücherregal filmen, auf dem sie in Kamerahöhe ein russisches Buch plaziert. „Marine Le Pen, warum Russland sie braucht“ lautet der Titel des Buches, das ihr der langjährige Prawda-Korrespondent in Paris, Wladimir Bolschakow, gewidmet hat. Die französische Übersetzung des „Meisterwerkes“, wie Vater Jean-Marie Le Pen das Buch nannte, lässt zwar noch auf sich warten. Aber der 45 Jahre alten Vorsitzenden des Front National (FN) geht es bei der Zurschaustellung der Titelseite in kyrillischen Lettern ohnehin mehr darum, sich als in Russland begehrte politische Führungskraft darzustellen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Mehr denn je setzt die um internationale Aufwertung buhlende Parteivorsitzende auf die russische Staatsführung. „Putin ist ein echter Patriot. Mit ihm können wir die christliche Zivilisation retten“, sagte sie kürzlich. Die Annäherung an das Russland Putins ist eines ihrer wichtigsten außenpolitischen Ziele, die sie auch im Europawahlkampf entschieden vorträgt. Der FN-Spitzenkandidat für die Hauptstadtregion Île-de-France ist kein anderer als der Politikwissenschaftler Aymeric Chauprade, der sich seit langem ein Netzwerk in prorussischen Kreisen aufgebaut hat. Randlose Brille, eleganter Anzug, eloquentes Auftreten: Der 44 Jahre alte Chauprade zählt zu den neuen Vorzeigepersonen des unter Marine Le Pen erneuerten Front National. Vor zehn Jahren war er noch für den Nationalkonservativen Philippe de Villiers in den Europawahlkampf gezogen, jetzt rechnet er sich beim FN bessere Chancen aus.

          Europa „von Lissabon nach Wladiwostok“

          Chauprade träumt von einer eurasischen Achse „Paris-Berlin-Moskau“ und kritisiert die EU scharf, welche die Ukraine-Krise durch eine russophobe Strategie erst heraufbeschworen habe. Chauprades Ausführungen im Wahlkampf klingen ganz nach Putins Vorschlägen eines Europas „von Lissabon nach Wladiwostok“. Am 16. März reiste er auf Einladung des russischen Präsidenten als „Wahlbeobachter“ auf die Krim. Die Volksbefragung bewertete er umgehend als „legitim“ und plädierte dafür, die russischen Wurzeln der Krim nicht zu ignorieren. Russlands Selbstverständnis als Nation dürfe nicht verletzt werden.

          Hinter dem Russland-Engagement stehen für Chauprade und andere FN-Kader auch handfeste finanzielle Interessen. Etliche FN-Leute arbeiteten für den Fernsehsender „Pro Russia TV“, der bis Ende April Putins Sicht in Frankreich verbreitete. Chefredakteur war Gilles Arnaud, der zuvor für den Front National im Regionalrat der Normandie saß. Noch weitere FN-Kader wurden in der Redaktion beschäftigt. Doch das russische Geld fließt derzeit nicht, so dass der Sender seine Tätigkeit auf unbestimmte Zeit „ausgesetzt“ hat.

          Aymeric Chauprade geht auch in der Annäherung an Russland mit seiner Parteichefin konform

          Besser geht es dem „Institut de la Démocratie et de la Coopération“ in der vornehmen Rue de Varennes ganz in der Nähe des Amtspalastes des französischen Premierministers. Aymeric Chauprade und andere FN-Führungsleute treten an dem Institut als Dozenten auf. Chauprade hatte vor ein paar Jahren seinen Dozentenvertrag an der Pariser Militärakademie verloren, weil er abstruse Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 verbreitet hatte.

          Nicht der „internationalen Homosexuellen-Lobby“ unterwerfen

          Das „Institut de la Démocratie et de la Coopération“ nahm daran keinen Anstoß. Der 2008 begründete Thinktank hat sich der Förderung eines „positiven Russlandbildes“ verschrieben und huldigt Putin und dessen Führungsriege. Er finanziert sich aus russischen Spenden, deren genaue Herkunft in Frankreich nicht offengelegt werden muss. Geleitet wird das Institut von der früheren Abgeordneten der russischen Partei Rodina Natalia Narochnitskaya. Sie hat sich in Frankreich einen Namen gemacht mit ihrer harschen Kritik an der französischen Mittlerrolle während der Georgien-Krise, an der Libyen-Intervention und an den geplanten Militärschlägen in Syrien.

          Narochnitskayas Lobbyarbeit beschränkt sich nicht auf außenpolitische Themen. Während der Proteste gegen die Homo-Ehe lud sie etwa Béatrice Bourges, die Vorsitzende der rechtsnationalen Organisation Printemps Français, zu einem Vortrag über die „Verteidigung der Familie“ ein. Auch Marine Le Pen lobte bei ihrem jüngsten Moskau-Besuch im April Putins Willen, sich nicht der „internationalen Homosexuellen-Lobby“ zu unterwerfen. Sie wurde zwar nicht vom Kreml-Chef empfangen, aber vom Vorsitzenden der Duma, Sergej Naryschkin. Zudem traf sie Alexej Puschkow, den Vorsitzenden des außenpolitischen Ausschusses der Duma.

          Le Pen rühmte sich einer „vollkommenen Übereinstimmung“ bei den wichtigsten außenpolitischen Themen. Sie ist gegen EU-Sanktionen gegen Moskau und gegen eine Intervention in Syrien. Sie befürwortet Frankreichs Austritt aus Nato und EU und wünscht stattdessen eine Union der europäischen Vaterländer: alles Projekte, die in Moskau auf Sympathie stoßen. Anders als ihr Vater, der mit dem anrüchigen Nationalisten Wladimir Schirinowskij paktierte, sieht sie Moskau-Treue als hilfreich auf dem Weg an die Macht in Frankreich. „Wir haben so viel gemeinsam“, sagte sie. Russland könne stolz darauf sein, einen „echten Chef“ zu haben.

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