20.03.2003 · Gegen den Angriff auf den Irak haben in Deutschland mehr als 100.000 Menschen demonstriert, darunter viele Schüler. Weltweit wird in der Nähe amerikanischer Botschaften protestiert. Mit Bilderstrecke.
Nach dem Beginn der Luftangriffe auf Irak haben am Donnerstag in Deutschland und weltweit Hunderttausende mit Demonstrationen, Mahnwachen und Friedensgebeten gegen den Krieg protestiert. Scharfen Protest äußerten Frankreich, Russland und China, die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat. Sie forderten ein sofortiges Ende der Angriffe. Auch die Bundesregierung und die Koalitionsparteien verurteilten den Irak-Krieg.
In zahlreichen Städten der Welt versammelten sich hunderttausende Menschen zu Anti-Kriegs-Demonstrationen. So in Berlin, San Francisco, Melbourne, Paris und London. Allein in Berlin versammelten sich am Abend rund 40.000 Menschen auf dem Alexanderplatz, nachdem bereits am Vormittag nach Polizeiangaben rund 50.000 zumeist jugendliche Demonstranten von dort zum Brandenburger Tor gezogen waren.
Nach Angaben von Friedensinitiativen waren für den ersten Tag nach dem Beginn der Angriffe auf Irak bundesweit insgesamt mehr als 680 Veranstaltungen angekündigt worden. Für das Wochenende sind weitere Demonstrationen geplant. In Heidelberg begannen Demonstranten am Abend einen Zug in Richtung des amerikanischen Hauptquartiers. Die Demonstranten haben angekündigt, dessen Eingänge blockieren zu wollen.
„Dieser Krieg ist so obszön, wie seine Betreiber"
„Dieser Krieg ist so obszön, wie seine Betreiber", sagte eine Rednerin am Abend in Berlin. Und ein Redner, der nach Angaben der Veranstalter aus Irak stammt, sagte: „Die s ist ein barbarischer Krieg, der vornehmlich aus wirtschaftlichen Interessen geführt wird.“ Auf Transparenten forderten die Kriegsgegner unter anderem, Präsident George W. Bush zusammen mit Iraks Präsidenten Saddam Hussein in eine Gefängniszelle des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag zu stecken.
Tausende gingen in San Francisco und zahlreichen anderen Städten der Vereinigten Staaten auf die Straßen, um deutlich zu machen, dass viele Amerikaner gegen den Krieg sind, den Washington gegen Irak führt. „Die Welt muss wissen, dass es eine organisierte Opposition gibt", sagte ein Berkley-Student. Wenn das in jeder (amerikanischen) Stadt geschehen würde, würde entweder der Ausnahmezustand ausgerufen oder der Krieg wäre beendet.
Handgemenge in London
In London blockierten tausende von Kriegsgegnern Straßen und marschierten zu Versammlungsplätzen. Teilweise kam es während der Demonstrationen zu Handgemengen mit der Polizei. Bei der größten Demonstration vor dem Parlament in London, an der tausende Bürger, darunter einige hundert Schulkinder teilnahmen, trugen Polizisten Demonstranten fort, die auf den Straßen saßen und Zufahrten blockierten.
Mit einem Wasserwerfer ist die Brüsseler Polizei nach Augenzeugenberichten gegen rund 1000 Demonstranten vorgegangen, die am Donnerstag vor der amerikanischen Botschaft in der belgischen Hauptstadt gegen den Irak-Krieg protestierten. Nach Angaben der Polizei wurde der Wasserwerfer eingesetzt, um einen Brandsatz zu löschen, der gegen die Botschaft geschleudert worden war. Vor dem Botschaftsgebäude im Regierungsviertel hatten sich nach Angaben von Augenzeugen am Nachmittag Studenten, Gewerkschafter, Moslems und Politiker zu dem Protest versammelt.