07.10.2005 · Der frisch gekürte Friedensnobelpreisträger, Mohammed El Baradei, kann sich derzeit vor Glückwünschen kaum retten. Er selbst zeigte sich erfreut, aber auch „absolut überrascht“ über die Entscheidung. Doch es gab nicht nur positive Reaktionen.
Die diesjährige Vergabe des Friedensnobelpreises an den Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed El Baradei, hat für überwiegend positive Reaktionen gesorgt. Vor allem seitens der Europäischen Union und der Vereinten Nationen gab es viele Glückwünsche für den ägyptischen Preisträger.
El Baradei selbst hat seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis als große Ehre und Ermutigung bezeichnet. Der Preis bestärke ihn und seine Behörde im Kampf gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen, sagte er am Freitag in Wien.
Weitere Fortschritte machen
Die Entscheidung sei eine klare Botschaft an die IAEA, sich in der Umsetzung ihrer Aufgaben nicht beirren zu lassen. Zudem lenke die Entscheidung des Nobelkomitees die öffentliche Aufmerksamkeit verstärkt auf die wachsenden nuklearen Gefahren, sagte der 63 Jahre alte Ägypter. Von der Entscheidung des Nobelkomitees sei er „absolut überrascht“ gewesen. Er selbst habe die Bekanntgabe des Komitees live mit seiner Frau im Fernsehen verfolgt.
Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich erfreut über die Vergabe. „Seit 1957 setzt sich die IAEA gegen die Verbreitung von Nuklearwaffen und für die sichere und friedliche Nutzung der Atomtechnologie ein“, erklärte ein Sprecher Annans. El Baradei habe diese wichtige Aufgabe seit 1997 mit großer Kenntnis geleitet. Der UN-Generalsekretär gratuliere ihm und den IAEA-Mitarbeitern zu ihrem Beitrag für den weltweiten Frieden. Der Preis rufe auch die Notwendigkeit in Erinnerung, Fortschritte bei der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und der Abrüstung zu machen. Denn Massenvernichtungswaffen seien eine große Gefahr für uns alle.
Köhler: „Unabdingbare Aufgabe“
Glückwünsche kamen auch von EU-Kommissionspräsdent José Manuel Barroso. Eine Sprecherin sagte, die Auszeichnung würdige die Arbeit der Organisation. Der Straßburger Europarat bezeichnet die Nobelpreisverleihung als „wohl verdiente Anerkennung für den Kampf gegen die nukleare Bedrohung der Welt“. Generalsekretär Terry Davis betonte, daß die Auszeichnung auch ein Zeichen der Unterstützung für all jene sei, die daran glauben, daß der Weltfrieden am besten über internationale Zusammenarbeit geschützt werden könne.
In der Bundesregierung wurde die Preisverleihung auch als ein Hinweis an Iran verstanden, den Atomstreit nicht eskalieren zu lassen, sondern weiterhin zu Verhandlungen bereit zu sein. Außenminister Fischer sagte, gerade wegen der Besorgnis der Staatengemeinschaft über das iranische Nuklearprogramm habe sich die IAEA und die enge Zusammenarbeit mit El Baradei als „unverzichtbar“ erwiesen. Fischer hob die „weltweit sehr große Achtung“ hervor, die El Baradei in seiner Funktion genieße, sie werde auch belegt durch die „erst jüngst erfolgte einstimmige Wiederwahl zu einer dritten Amtszeit als Generaldirektor der IAEA.
Bundeskanzler Schröder nannte die Entscheidung des Nobelkomitees nach Angaben seines Sprechers Anda als „sehr klug“. Schröder erinnerte an die Haltung, die El Baradei während des Irakkrieges vertreten habe und hob dessen damalige „objektive Lageeinschätzung“ hervor. Bundespräsident Köhler würdigte den „Mut und Geduld“ El Baradeis und seiner Behörde, die in schwierigen Situationen unbequeme Positionen und Wahrheiten vertrete.
„Ganz klare Fehlentscheidung“
Doch es gab auch weniger erfreute Reaktionen. Für Greenpeace Deutschland stellt die Vergabe an die IAEA „eine ganz klare Fehlentscheidung“ dar. „Schon allein die Rolle der IAEA in der weltweiten Verbreitung der Atomenergie ist mit dem Geist des Friedensnobelpreises nicht zu vereinbaren“, sagte Wolfgang Lohbeck, der bei Greenpeace in Hamburg für Sonderprojekte und die Bereiche Abrüstung und Frieden zuständig ist. Andererseits sei Greenpeace mit dem Preisträger einverstanden. „Damit haben wir kein Problem“, sagte Lohbeck. Schließlich habe sich El Baradei in den vergangenen Jahren wiederholt im Amt hervorgehoben, vor allem mit seiner Kritik am Irak-Krieg.
Kritik kam auch von Seiten der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW). Eine Sprecherin sagte, „eine Behörde, deren Ziel es ist, den Ausbau der Atomenergie weltweit zu beschleunigen und auszuweiten, trägt nicht zu einer friedlichen und gesunden Welt bei. Im Gegenteil. Hinter der friedlichen Nutzung der Atomenergie verbirgt sich immer die Möglichkeit zum Bau der Atombombe, wie das Beispiel Iran, Indien oder Pakistan zeigen. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Risiken der Atomenergienutzung.“
Die Organisation war selbst 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Sie begrüßte aber das persönliche Engagement von IAEA-Direktor Mohammed El Baradei gegen die Invasion des Iraks und gegen einen möglichen militärischen Angriff auf Iran.
Ein hervorragender Diplomat
Thomas Keller (tpbk)
- 07.10.2005, 20:37 Uhr