10.10.2003 · Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die iranische Menschenrechtlerin Ebadi ist international nahezu einhellig begrüßt worden. Nur Preisträger Lech Walesa ist verärgert, er hatte den Papst favorisiert.
Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die iranische Menschenrechtlerin Ebadi ist international nahezu einhellig begrüßt worden. Nur Preisträger Lech Walesa ist verärgert, er hatte den Papst favorisiert.
Ein Überblick über die Reaktionen:
- Die Bundesregierung hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an Schirin Ebadi begrüßt. „Damit wird der Einsatz einer mutigen Frau gewürdigt, die sich vor allem für mehr Frauen- und für mehr Kinderrechte eingesetzt hat“, sagte Regierungssprecher Béla Anda am Freitag in Berlin.
- Die Europäische Union hat die Vergabe ebenfalls begrüßt. Ebadi habe nicht nur „viele ihrer Landsleute persönlich verteidigt, sondern sie hat sich auch an der wichtigen Diskussion über Menschenrechte in Iran beteiligt“, erklärte der Hohe Außenpolitische EU-Vertreter Javier Solana am Freitag in Brüssel. „Frau Ebadi ist mehr denn je ein Vorbild für ihre Region und für den Rest der Welt.“
- Der Preis für Ebadi ist nach Einschätzung von Unicef Deutschland „ein Geschenk für die Kinder in muslimischen Ländern“. „Wir begrüßen es, dass eine Frau ausgezeichnet wurde, die sich seit langem aktiv für Kinderrechte einsetzt“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer des Deutschen Komitees des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen am Freitag in Köln.
- Amnesty International (ai) hat die Verleihung ebenfalls begrüßt. „Mit der Ehrung Schirins ist die außerordentlich große Bedeutung der Menschenrechte und derjenigen, die sie auf der ganzen Welt verteidigen, anerkannt worden“, teilte die Menschenrechtsorganisation am Freitag in London mit.
- Mit großem Unverständnis hat nur der ehemalige polnische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger von 1983, Lech Walesa, auf die Wahl der diesjährigen Preisträgerin reagiert. „Das ist unglaublich!“, rief Walesa ein ums andere Mal im polnischen Fernsehen aus. „Ich halte das für einen großen Fehler, einen schlimmen Fehler, einen unglücklichen Fehler“, sagte Walesa, der selbst Papst Johannes Paul II. favorisiert hatte, sichtlich genervt. „Ich habe ja nichts gegen diese Frau, aber wenn jemand auf dieser Welt diese Auszeichnung verdient, ist das der Heilige Vater.“ Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski hat den Einsatz Ebadis hingegen gewürdigt. Er wünsche sowohl der Preisträgerin als auch dem gesamten iranischen Volk gutes Gelingen auf dem schwierigen Weg zum Aufbau einer Bürgergesellschaft, in der Frauen Zugang zum gesamten öffentlichen Leben hätten, sagte er am Freitag.