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Friedensbotschaft Der Papst deutet die Globalisierung als Chance

Papst Benedikt XVI. hat zum Frieden in aller Welt aufgerufen. „Die tiefe Sehnsucht nach Frieden der großen Mehrheit der israelischen und palästinensischen Bevölkerung“ möge der „massiven Gewalt im Gazastreifen“ standhalten, hieß es in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag.

© dpa Vergrößern „Es kann nur die Torheit dazu verführen, ein vergoldetes Haus zu bauen, wenn ringsum Wüste oder Verfall herrscht”

Eine Analyse der gegenwärtigen weltpolitischen Krisen hat Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar vorgelegt. Darin zeigt er unter dem Titel, „Die Armut bekämpfen – den Frieden schaffen“ außerdem Wege zur Überwindung dieser Krisen auf. Das müsse geschehen, „da eine große Zahl von Menschen in Verhältnissen lebt, die ihre angeborene Würde verletzen und infolgedessen den wahren und harmonischen Fortschritt der Weltgemeinschaft gefährden“. Benedikt warnte: „Die Verzerrungen ungerechter Systeme präsentieren nämlich früher oder später allen die Rechnung. Es kann also nur die Torheit dazu verführen, ein vergoldetes Haus zu bauen, wenn ringsum Wüste oder Verfall herrscht.“

„Globalisierung“ bedeutet für Benedikt zunächst, dass alle Menschen „in einen einzigen göttlichen Plan einbezogen sind, eine einzige Familie bilden, in der alle – Einzelpersonen, Völker und Nationen – ihr Verhalten regeln, indem sie es nach den Grundsätzen der Fraternität und der Verantwortung ausrichten“. Dieses Gemeinschaftsgefühl gefährde, dass es in den wohlhabenden und hoch entwickelten Gesellschaften „moralische und geistige Armut“ gebe, „innerlich orientierungslose Menschen mit moralischer Unterentwicklung“, in den armen Gesellschaften häufig kulturelle Hindernisse, die einen angemessenen Gebrauch der Ressourcen nicht gestatten.

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Gegen Kampagnen zur Geburtenreduzierung

Entschieden wendet sich Benedikt gegen das Argument, Armut sei die Folge der Überbevölkerung, und damit „gegen Kampagnen zur Geburtenreduzierung, die auf internationaler Ebene auch mit Methoden durchgeführt werden, die weder die Würde der Frau respektieren noch das Recht der Eheleute, verantwortlich die Zahl ihrer Kinder zu bestimmen, und – was noch schwerwiegender ist – oft nicht einmal das Recht auf Leben achten. Die Vernichtung von Millionen ungeborener Kinder im Namen der Armutsbekämpfung ist in Wirklichkeit eine Eliminierung der Ärmsten unter den Menschen“.

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Positiv sei jedoch zu werten, dass „1981 etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze lebten, während sich dieser Prozentsatz heute praktisch halbiert hat und Völkerschaften, die übrigens ein beachtliches demographisches Wachstum aufweisen, die Armut überwunden haben“. Der Papst forderte auch, bei der Bekämpfung von Aids als einer dramatischen Ursache der Armut sich der moralischen Problematik der Promiskuität zu stellen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Benedikt der Tatsache, dass fast die Hälfte derer, die heute in absoluter Armut leben, Kinder seien, und verlangt deshalb die Fürsorge für die Mütter, den Zugang zu Impfungen, medizinischer Versorgung und Trinkwasser sowie den Umweltschutz zu verstärken, statt das Geld für Militär und Rüstung in einem törichten Wettlauf auszugeben.

Gegen eine reine Umverteilung

Das Gefälle zwischen Reichen und Armen führt der Papst auch darauf zurück, dass der technologische Wandel und die Preisdynamik der Industrieprodukte, deren Kosten wesentlich schneller steigen als die Preise der Agrarprodukte und der Rohstoffe, die im Besitz der ärmeren Länder sind, vor allem den Reichen zugute kämen. „So geschieht es, dass der größte Teil der Bevölkerung der ärmeren Länder unter doppelter Marginalisierung leidet, sowohl durch niedrigere Einnahmen als auch durch höhere Preise.“ Dadurch seien besonders afrikanische Länder benachteiligt.

Breiten Raum nimmt in der Botschaft die jüngste Weltfinanzkrise ein. Der Papst kritisiert dabei ein extrem kurzfristiges Denken, „das den Wertzuwachs aus Finanzaktivitäten verfolgt und sich auf die technische Verwaltung der verschiedenen Formen des Risikos konzentriert“. Es entbehre jeder langfristigen Rücksicht auf das Allgemeinwohl. Wörtlich heißt es: „Die Einengung in der Zielsetzung der weltweiten Finanzmakler auf die extreme Kurzfristigkeit vermindert die Fähigkeit des Finanzwesens, seine Brückenfunktion zwischen Gegenwart und Zukunft zu erfüllen zur Unterstützung der Schaffung langfristig angelegter Produktions- und Arbeitsmöglichkeiten. Ein auf kurze und kürzeste Fristen eingeengtes Finanzwesen wird gefährlich für alle, auch für diejenigen, denen es gelingt, während der Phasen der Finanzeuphorie davon zu profitieren.“ Dabei mitzuarbeiten sei die katholische Kirche mit ihrem weltweit größten Bildungssystem in Schulen und Universitäten bereit.

Der Papst spricht sich gegen eine Finanzpolitik der reinen Umverteilung des bestehenden Vermögens aus. „In einer modernen Wirtschaft hängt nämlich der Wert des Vermögens in ausschlaggebendem Maße von der Fähigkeit ab, gegenwärtigen und zukünftigen Gewinn zu schaffen. “ Globalisierung allein, so mahnt der Papst, sei unfähig, Frieden herzustellen. Sie sei aber eine günstige Gelegenheit, „um in der Bekämpfung der Armut etwas Bedeutendes zu verwirklichen und um der Gerechtigkeit und dem Frieden bisher unvorstellbare Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen“.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.01.2009, 17:12 Uhr

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