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Frauenförderung : Die Quotenwalze

Frauenquotenbefürworter tun genau das, was sie „den Männern“ immer vorwerfen: Sie verfolgen eine Taktik des Niederwalzens. So dass alle, die die Sache anders oder differenzierter sehen, lieber die Klappe halten.

          Frauen in Rudeln sind eigentlich genauso schlimm wie Männer in Rudeln, nur auf andere Weise. Rudelgehabe, männliche Variante: Schulterklopfen, An-die-Brust-Schlagen, Röhren. Weibliche Version: zusammenkuscheln, lächelnd Zähne zeigen, und wenn es gerade so richtig schön ist in der Gruppe, recken alle den Daumen in eine Kamera. So geschehen im Bundestag, auch ein paar moderne Männer machten mit. Anlass der kollektiven Freude: Die Abgeordneten beschlossen die Frauenquote - gefühlt sogar ohne Gegenstimmen.

          Ministerin Schwesig sagte: „Wenn ich ein Mann wäre, hätte ich gesagt: Das habe ich alles allein geschafft.“ Weil sie aber eine Frau ist, sagte sie ebendiesen Zickensatz, der alle Männer erst mal pauschal plattmachte. Dann lobte sie ihre Mitstreiterinnen - und natürlich Heiko Maas, aber der hat eben auch viele weibliche Eigenschaften. Andere sprachen sogar von „Mitkämpferinnen“. Wer jetzt meint, sollen sie doch alle ihr Gehabe pflegen, wie sie wollen, irrt. Denn er verkennt, dass sich darin genau das zeigt, was Frauenquotenbefürworter beiderlei Geschlechts „den Männern“ immer vorwerfen: eine Taktik des Niederwalzens. So dass alle, die die Sache anders oder differenzierter sehen, lieber die Klappe halten.

          Manche CDU-Politiker, die gegen die starre Quote sind, blieben der Abstimmung fern. Der Einwand, dass Angela Merkel die Quote eben auch wollte, dass es Fraktionszwänge gibt, zählt nur bedingt. Auch außerhalb des Bundestags gibt es kaum noch Stimmen, die dem Mainstream widersprechen wollen. Über allem liegt eine Soße: Die Quote ist gut, wer sie hinterfragt, ist dumm oder böse. Vorschläge, die nicht schwarz oder weiß waren, etwa zu einer Flexi-Quote, sind gescheitert. Der behäbige Konsens war auch im Bundestag zu spüren. Niveau der Quotendiskussion im Jahr 2015: Wenn demnächst Frauen an Sitzungen von Führungsgremien teilnähmen, werde es dort „endlich mal geistreiche Witze“ geben, sagte eine Abgeordnete. Wenn sich alle einig sind, reißt man in der Runde eben Chauvi-Sprüche. Insofern ist die Durchmischung mancher Gremien ganz bestimmt ein Gewinn. Aber dafür eine Quote? Bisschen viel Aufwand, viel zu viel Zwang.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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