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Franz Müntefering Die Sphinx der SPD

08.09.2008 ·  Der SPD-Vorstand hat Franz Müntefering als neuen Parteivorsitzenden nominiert. Der Einzelkämpfer ist wieder da - in der Partei als Vorgesetzter des Kanzlerkandidaten. Auch wenn von außen nichts zu sehen sein wird, im innersten Zirkel wird es spannend hergehen.

Von Georg Paul Hefty
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Franz Müntefering ist die Sphinx der gesamtdeutschen SPD – so wie es Herbert Wehner im geteilten Deutschland war. Dieser wurde von Freund und Feind gefürchtet, von den Medien jedoch verehrt. Seine Spezialität war der finale Stich mit Worten. Über seinen Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Willy Brandt sagte Wehner, der Herr bade gern lau. Das beendete dessen Kanzlerschaft.

Müntefering drückt es anders aus. Ende Juni 2007 sagte er schlicht, der SPD bleibe noch ein Jahr Zeit, sich auf einen Kanzlerkandidaten festzulegen, und fügte wie nebenbei hinzu, dass dem Parteivorsitzenden Beck selbstverständlich der erste Zugriff zustehe. Damit setzte er seinem Nachnachfolger ein Zeitlimit und wies mit dem Finger darauf, dass die Partei weit davon entfernt sei, die Kanzlerkandidatur ihrem Parteiführer aus Überzeugung zuzuschreiben. Nach Münteferings Einlassung kam dem Vorsitzenden die Spitzenkandidatur nicht deswegen zu, weil er der beste Mann der SPD sei, sondern allenfalls, weil er das Recht des ersten Zugriffs habe. Seither stand fest, dass Beck den Parteivorsitz verwirkt haben würde, sobald ein anderer zum Kanzlerkandidaten bestellt würde.

Der Einzelkämpfer Müntefering

Müntefering war stets – auch in Nordrhein-Westfalen, wo er die Parteistrukturen umstülpte –, letztlich ein Einzelkämpfer. Wer in der Nähe stand, wurde dabei leicht zum Opfer. Am 23. Juni 2004 wurde der damalige SPD-Vorsitzende gefragt, wer denn eigentlich im Februar die Idee gehabt habe, er solle von Bundeskanzler Schröder den SPD-Vorsitz übernehmen – eine Idee, in die nicht einmal der Superminister Clement eingeweiht gewesen war. Müntefering tippelte viele Sekunden lang mit den Füßen und sagte dann auf die Zehenspitzen blickend: „Schröder“.

Video: Beck geht - Müntefering soll kommen

Mehr als drei Jahre später antwortete er auf die Frage, wer denn zuerst am 22. Mai 2005 die Idee hatte, Neuwahlen anzukündigen, er oder der Bundeskanzler, wiederum nach einigen Sekunden der Suche nach der rechten Formulierung: „Beide gleichzeitig.“ Doch am Abend der Nordrhein-westfälischen Landtagswahl war Müntefering als Erster in die Öffentlichkeit gegangen, Schröder konnte nur nachziehen, und der Kanzler hatte allem Anschein nach noch nicht einmal den Auftrag erteilt gehabt, den Brief an den Bundespräsidenten fertigzumachen.

Jetzt ist er wieder da

Der Einzelkämpfer im SPD-Vorsitz ließ auch alle Parteitradition sausen, als er nach der Niederlage bei der Bundestagswahl seinen persönlichen Mitarbeiter der Partei als Generalsekretär aufdrücken wollte. Als er damit scheiterte, warf er den Parteivorsitz hin – mit derselben Geschwindigkeit, wie einst Lafontaine und jetzt Beck – und sah zu, wie anderen Parteimitgliedern die Schuld an dem Desaster zugeschrieben wurde.

Jetzt ist er wieder da – in der Partei als Vorgesetzter des Kanzlerkandidaten. Steinmeier ist in derselben Lage wie Schröder in seinem letzten Regierungsjahr. Auch wenn von außen nichts zu sehen sein wird, im innersten Zirkel wird es spannend hergehen.

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Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.

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