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Frankreichs Sozialisten Aufgesetzter Jubel

06.05.2007 ·  Der letzte Jubel ist schnell verflogen. Mit ernsten Gesichtern treffen die Parteigrößen im Hauptquartier der Sozialisten ein. Jetzt beginnt die schonungslose Wahlanalyse. Ségolène Royal möchte auch künftig eine Rolle spielen. Aber lässt man sie?

Von Christian Schubert, Paris
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Die Rue Solferino vor dem Pariser Hauptquartier der Sozialisten ist zum Bersten voll - so wie vor zwei Wochen beim ersten Wahlgang. Tausende von Sympathisanten von Ségolène Royal haben sich zwischen die Bürgerhäuser im feinen sechsten Arrondissement gequetscht. So wie vor zwei Wochen ist die Stimmung scheinbar ausgelassen. „Wir werden gewinnen“ singen die überwiegend jungen Leute im Chor, als ob sie den Sieg ihrer Kandidatin herbeizwingen könnten.

In Wirklichkeit kennen viele von ihnen schon die ersten Hochrechnungen. Auf ausländischen Internetseiten - die französischen Medien unterliegen bis zur Schließung der Wahllokale um 20 Uhr einer strikten Informationssperre - kursieren Meldungen über einen großen Vorsprung Sarkozys schon kurz nach 17 Uhr.

Ohrenbetäubendes Pfeifkonzert

Schlagartig ändert sich die Stimmung vor dem Sitz der Sozialisten dann aber erst drei Stunden später, als das Fernsehen erstmals Nicolas Sarkozy als neuen Präsidenten auf die große Leinwand im Freien projiziert. Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert ertönt. Wenn auch viele schon vorher die Hoffnung aufgegeben hatten, dass Ségolène Royal das Rennen um den Elysée-Palast doch noch machen wird, so ist der Triumph von Nicolas Sarkozy dann doch eine schwere Enttäuschung. „Das Schlimme ist, dass die Ideen von Le Pen gesiegt haben“, sagt ein 35 Jahre alter Beamter aus der Finanzverwaltung.

Kurz nach zwanzig Uhr tritt schon Ségolène an die Mikrofone, um ihre Niederlage einzugestehen und sich bei ihren Unterstützern zu bedanken. „Bravo an die all die jungen Leute“, sagt sie, gerade jene „in den Quartiers“, das heißt in den sozial schwierigen Gegenden, die sie unterstützt haben.

Noch einmal erschallt auf der Straße eine Jubelwelle. Doch sie wird bald von allgemeiner Niedergeschlagenheit verschluckt. Wohlgemerkt gibt Royal ihre Erklärung nicht am Hauptsitz der Sozialisten ab, sondern einen Steinwurf entfernt im Lateinamerikahaus. Erst danach begibt sie sich ins Hauptquartier der Partei.

Ernste Gesichter

Nur ein kleiner Kreis von Journalisten ist zugelassen, darunter keine Ausländer. Damit meidet sie jenen Ort, wo jetzt die Parteigrößen wahrscheinlich damit beginnen, eine schonungslose Wahlanalyse vorzunehmen. Öffnung zur Mitte, wie es Royal im Endspurt des Wahlkampfes versucht hat, oder Rückkehr zu sozialistischen Wurzeln? Die Kandidatin möchte auch künftig eine Rolle in der Partei spielen. Aber wird man sie lassen?

Mit ernsten Gesichtern treffen die Größen der Sozialistischen Partei am Abend in der Rue Solferino ein. Laurent Fabius, ehemaliger Premierminister und Repräsentant des linken Flügels, durchschreitet wortlos und mit großen Schritten das Spalier der wartenden Journalisten im Innenhof. Er dürfte mit seiner Kritik an der Orientierung zur Mitte jetzt nicht mehr hinter dem Berg halten. Jean-Paul Huchon, Regionalpräsident des Großraums Paris, dagegen ruft dazu auf, „dass wir jetzt für die Parlamentswahlen im Juni eine gemeinsame Stimme finden“.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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