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Frankreich Wieder Krawalle in Pariser Vororten

26.10.2006 ·  Nach jüngsten Ausschreitungen in Pariser Vororten hat der französische Premier Villepin eine „sofortige und exemplarische Bestrafung“ der Gewalttäter gefordert. Vor einem Jahr hatten die Krawalle bis zur Verhängung des Ausnahmezustandes geführt.

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Nach neuen Ausschreitungen in Pariser Vororten in der Nacht auf Donnerstag hat der französische Premierminister Villepin eine „sofortige und exemplarische Bestrafung“ der Gewalttäter gefordert. „Wir dulden keinerlei rechtsfreien Raum in unserem Land“, sagte er auf seiner monatlichen Pressekonferenz, die er diesmal in der Universität Cergy-Pontoise nahe Paris abhielt.

Am diesem Freitag jährt sich erstmals der Tag, an dem zwei von der Polizei verfolgte Jugendliche in einer Umspannanlage im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois ums Leben gekommen waren. Dies hatte zu wochenlangen Gewalttätigkeiten im ganzen Land und zur Verhängung des Ausnahmezustandes durch die Regierung geführt.

Linienbusse angezündet

In der Nacht auf Donnerstag wurden nahe Paris zwei Busse angezündet, auf einen dritten wurde ein Molotowcocktail geworfen. In Montreuil zwangen vermummte Jugendliche die Passagiere und einen Busfahrer mit Waffengewalt zum Aussteigen. Dem Busfahrer hielten sie eine Waffe an die Schläfe. Danach fuhren sie mit dem Bus selbst weiter, beschädigten ein Tor und zündeten das Fahrzeug später an.

Verteidigungsministerin Alliot-Marie sprach von einem Mordversuch. In Nanterre haben nach Polizeiangaben sechs bis zehn Jugendliche gegen 22 Uhr Brennflüssigkeit in einem Bus gegossen und in Brand gesteckt. Die Passagiere konnten den Bus unverletzt verlassen. Schon am Sonntag war in einem anderen Pariser Vorort ein Bus in Brand gesetzt worden.

Mediale Aufmerksamkeit

Die Busgesellschaft des Großraums Paris hat angekündigt, die gefährlichen Gebiete zeitweise zu umfahren. Die Gewalttäter scheinen sich bewußt zu sein, daß die Medien ihnen kurz vor dem Jahrestag der vorjährigen Unruhen wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Tatsächlich ist die Serie von Gewalttaten seit den Ausschreitungen des Vorjahres nie abgerissen.

2890 Polizisten seien seit Anfang Januar während ihrer Einsätze verletzt worden, berichtete kürzlich Innenminister Sarkozy im Parlament, die meisten davon bei Ausschreitungen in den Banlieues. 31 000 Autos wurden zwischen Januar und September angezündet, also je Nacht im Durchschnitt mehr als 110 Fahrzeuge. Hinzu kommen zahlreiche Vorfälle, bei denen Polizeiautos mit Steinen beworfen wurden oder Gewalttäter Polizisten sogar in Hinterhalte lockten und körperlich angriffen.

„Probleme lassen sich nicht an einem Tag lösen“

Premierminister Villepin forderte am Donnerstag mehr Polizeipräsenz in den Vorstädten auch während der Nacht. Er wies den Vorwurf der Opposition zurück, daß seit dem vergangenen Jahr nichts geschehen sei. Die Renovierung von 182 000 Sozialwohnungen und der Bau von 84.000 neuen Wohnungen sei in Angriff genommen worden, womit zwei Millionen Bewohner eine Verbesserung ihrer Lebensumstände zu erwarten hätten.

Bis 2013 gebe die Regierung 35 Milliarden Euro für den Städtebau aus. Die Vereine in den betroffenen Gegenden hätten in diesem Jahr 100 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Die Arbeitsämter hätten 150 000 Jugendliche für die Arbeitssuche empfangen. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in vielen Vororten weiterhin doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt, gab Villepin zu. „Alle Probleme lassen sich nicht an einem Tag lösen“, sagte er.

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